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Ausblick auf 2019: Mehr Sonntags- und nur noch Mittags-Rennen in Avenches, total 24% CH-PREMIUM-Rennen weniger

Mittwoch, 07. November 2018 18:13

Am letzten Sonntag, 4.11.2018, informierte Jean-Pierre Kratzer nach den Rennen in Avenches über den aktuellen Stand in Sachen Rennplanung 2019. Klar ist, es gibt einige Änderungen in der kommenden Saison, wobei nicht alle dramatisch sind. Doch es wird etliche Schwierigkeiten geben, insbesondere bei der Ausgestaltung der Ausschreibungen. Und für die Galopper ist die Saison 2019 gemäss JPK die letzte Chance, die Starterzahlen auf ein Mindest-Niveau zu bringen. Sonst gibt es laut Kratzer ab 2020 massive Konsequenzen.

von Markus Monstein

 

Das Wichtigste zu Beginn: Auch im 2019 finden in Avenches Galopp- und Trabrennen in grosser Zahl statt. Gemäss Jean-Pierre Kratzer sollen zudem die durchschnittlichen Preisgelder in der Schweiz unverändert bleiben - er betonte, dies sei in keinem anderen Land in Europa der Fall (möglich, dass der UET-Präsident dabei den florierenden Trabsektor in Schweden ausser Acht gelassen hat. Dies aber nur am Rande). Die Aussicht, dass die Schweiz besser dastehe (respektive weniger verliere) als Resteuropa ist immerhin tröstlich.

 

Jean-Pierre Kratzer begann die Informations-Veranstaltung mit Erklärungen über die "brutale" Strategie der neuen PMU-Führung rund um den neuen PMU-Generaldirektor Cyril Linette, der offensichtlich keine halben Sachen macht und die Gegebenheiten massiv umkrempelt. Nachdem die PMU das Wettangebot über die letzten Jahre kontinuierlich massiv angehoben hatte (Hintergrund war der sinkende Durchschnittsumsatz der Rennen - als Reaktion bot man immer mehr Rennen an, um den Gesamtumsatz irgendwie auf Kurs zu halten), kam die neue Führung zum Schluss, nun müsse abgebaut werden. Statt 14'000 Rennen pro Jahr (also etwas über 38 pro Tag), werden es im 2019 noch rund 11'000 sein. "Die Theorie dieser Leute lautet, dass der Kuchen an Wetteinsätzen immer gleich gross bleiben wird. So soll es bei weniger Rennen schliesslich mehr Umsatz pro Rennen geben", so Kratzer, der gleich nachschob: "Ich glaube nicht dass, das funktioniert. Die Erwartungen liegen bei einem Gesamtumsatz von -3% bei 20% weniger Rennen. Jeder kann denken was er will. Das ist die Philosophie dieser Leute, die nicht unbedingt alles kennen." Als Beispiel nannte Kratzer den Arc-Tag vor einem Monat. Da seien insgesamt 32 Millionen Euro Umsatz erzielt worden, 24 Millionen in Longchamp rund um den Arc, 8 Millionen auf den anderen PREMIUM-Rennplätzen an jenem Tag (Strassburg, Agen, Nimes). Wenn nun nur noch Longchamp angeboten werde, würden diese Leute denken, es gebe dort 32 Millionen statt 24...

 

Linette und seine Crew haben dem ganzen System nicht nur eine Reduktion der Rennen sondern auch eine "Frankreich-first-Strategie" verpasst. So sind die Prime-Time-Zeiten ab 2019 fast ausschliesslich den französischen Rennplätzen vorbehalten. Renntage mit 6 bis 8 Rennen z.B. in den frühen Nachmittags- und Abendstunden gibt es für ausländische Veranstalter schlicht nicht mehr - mit zwei Ausnahmen: Mons darf am 24. Dezember und am 1. Januar Rennen durchführen, weil dann sonst niemand will.

"Ich finde diese brutale Aktion nicht gut", so Kratzer. Es gelte nun, abzuwarten. "Wenn es ein Erfolg wird, gewinnen wir auch. Wird es ein Misserfolg, dann werden wieder Änderungen gemacht."

 

Von den rund 3000 PREMIUM-Rennen, die gestrichen werden, entfallen 1674 auf das Ausland, davon 692 Trab und 982 Galopp. "Das ist enorm", so der ebenso simple wie zutreffende Kommentar von JPK. Die Schweiz verliert insgesamt 61 PREMIUM-Rennen (24 % des Bestandes von 2018), wobei die PREMIUM-Rennen aus der Deutschschweiz praktisch ganz von der Bildfläche verschwinden. Wie z.B. die beiden Hauptereignisse des White Turf-Finaltages ("sie nehmen keine internationalen Rennen mehr zwischendurch", so Kratzer) sowie der Renn-Abend in Dielsdorf. "Letztes Jahr haben die PREMIUM-Rennen St. Moritz rund 15'000 Franken Brutto-Ertrag eingebracht, bei Dielsdorf und Frauenfeld waren es circa 50'000 Franken", sagte Kratzer weiter.

In Avenches gibt es 44 PREMIUM-Rennen weniger (-18.7% gegenüber 2018).

 

Kratzer betonte, wenn es nach den Starterzahlen ginge, hätte der Abbau der PREMIUM-Rennen in der Schweiz weit höher (40 bis 50%) sein müssen. Die durchschnittlich 8.72 Starter im 2018 bei den Galoppern in Avenches seien klar ungenügend. 10 müssten es mindestens sein, was bei 42 Galopprennen dieses Jahr nicht der Fall war. "Wir haben noch eine einzige Chance 2019, das ist die letzte! Das System kontrolliert dies, wir können das nicht beeinflussen", so Kratzer, "diese Zahlen sind eine Enttäuschung für mich. Das habe ich der Ausschreibungskommission klar gesagt. Wir müssen für 2019 unbedingt Lösungen finden. Sonst geht es nicht mehr. Und das ist kein Drohung, sondern Tatsache. Wir brauchen mehr Rennen mit über 10 Startern, damit wir andere Rennen finanzieren können. Und damit sie mich richtig verstehen, ich bin optimistisch, dass wir das mit weniger Rennen schaffen können." Dazu müsse man wissen, so JPK weiter, dass bei Feldern mit 10, 11 oder 12 Startern der Umsatz 20 Prozent sei höher als bei 8 oder 9 Pferden."

 

Ein Grund für die weniger starke Abstrafung der Schweiz ist die Tatsache, dass in Avenches ein Viertelstunden-Takt mit Galopp- und Trabrennen möglich ist. "Hätten wir diese Möglichkeit nicht, gäbe es im 2019 nicht 65 Galopp-Premium-Rennen sondern gerade mal noch 20", erklärte Kratzer.

 

"Bei den Trabern ist die Situation etwas besser, aktuell liegen wir bei 10.22 Starter pro Rennen. Das ist besser als letzter Jahr, aber immer noch ungenügend", so Kratzer. Insgesamt sei die weitere Reduktion der Anzahl Rennen notwendig, um die Starterzahlen zu erhöhen.

 

Programm 2019: Total minus 19 Trabrennen und minus 7 Galopprennen - es gibt (wie im Vorfeld gefordert) noch andere als nur PREMIUM-Rennen

Das provisorische Programm für 2019 sieht wie folgt aus: "Wir kommen auf 205 Trabrennen (gegenüber 224 dieses Jahr), also nichts Dramatisches. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir viele Rennen hatten mit fünf oder sechs Startern. Bei den Galoppern gehen wir von 171 Rennen auf 164 Rennen runter. Es gibt weniger PREMIUM-Rennen, aber wir fügen Nicht-PREMIUM-Rennen hinzu, vor allem natürlich solche mit wenig zu erwartenden Startern."

 

An dieser Stelle kam die Frage aus dem Publikum (notabene von einem seit Jahren in verschiedensten Gremien aktiven Rennsport-Kenner), wie denn diese zusätzlichen Nicht-PREMIUM-Rennen finanziert würden. Nun, offenbar ist das bei einigen in Vergessenheit geraten: Seit der IENA-Eröffnung im Herbst 1999 gab es bis zum ersten PREMIUM-Renntag im Frühling 2011 mehr als 10 Jahre lang ausschliesslich Nicht-PREMIUM-Rennen in Avenches. 2010, im letzten Jahr vor den ersten PREMIUM-Renntage im IENA, fanden in der Westschweiz 151 Trab- und 97 Galopprennen statt, die mit insgesamt 2'668'000 Franken dotiert waren (1,603 Mio Franken Trab, 1.065 Mio Franken Galopp). Siehe Grafik:

 

Die Entwicklung der Anzahl Rennen und Dotationen in der Westschweiz (bis 1999 mit Yverdon, anschliessend Avenches, inkl. Saignelégier).

 

Es fällt auf, dass trotz der Einnahmen aus den PREMIUM-Rennen (3% der Umsätze) die ausbezahlten Preisgelder seit 2014 zurückgegangen sind. Für 2019 wird die Gesamt-Summe der Renndotationen in Avenches mit 2'480'000 Franken erstmals wieder unter dem Niveau von 2010 (also vor den PREMIUM-Rennen!) liegen. Dies erstaunt, denn die Gelder aus der anderen (der wichtigsten) Einnahmequelle sprudeln unverändert: Seit 1991 fliessen Millionen in die Verteil-Organisation ADEC, über welche die Dotationen in Avenches finanziert werden. Von 2006 bis 2016 überwies die LoRo (Loterie Romande) jedes Jahr über 3 Millionen Franken an die ADEC (mindestens 3'179'558 Franken im 2012 bis maximal 3'832'166 Franken im 2014). Die Frage, die sich unweigerlich stellt: Wo ist die Differenz geblieben? Nach Recherchen des Schreibenden erhielt die ADEC von 2006 bis 2016 insgesamt 6'813'194 Franken mehr von der LoRo als im gleichen Zeitraum in Avenches an Preisgeldern ausbezahlt wurden. Da stellen sich Fragen, auf die es in der aktuellen Konstellation wohl kaum je Antworten geben wird. So gibt es ja z.B. weder einen öffentlich einsehbaren Geschäftsbericht der ADEC noch der IENA-Gruppe mit den verschiedenen Untergesellschaften.

 

14 Sonntag-Renntage in Avenches - und kein einziges mal mehr Rennen am Abend

Die grösste Änderung betrifft die Terminierung der Rennen: Es gibt keine Abend-Renntage mehr, sondern nur noch solche zur Mittagszeit. Zudem gibt es 14 Sonntage mit Rennen in Avenches. "Im Moment sind noch keine Sonntage betroffen, an welchen Deutschschweizer Renntage stattfinden", erklärte JPK vielsagend (bleibt zu hoffen, dass er nicht wie seinerzeit an einem der traditionellen Basler 1.Mai-Renntage auf die Idee kommt, gleichzeitig mit einem Deutschschweizer Termin auch in Avenches Rennen zu veranstalten).

Sämtliche Rennen in Avenches finden gemäss dem publizierten provisorischen Datenkalender über Mittag statt (hier gibt es das PDF mit dem Datenkalender 2019). Dies erschwert die Arbeit der Trainingsquartiere und wer aus der Deutschschweiz anreisen muss, wird noch mehr Ferien-Tage für sein Hobby brauchen.

 

RVZ-Präsident Anton Kräuliger ergriff das Wort und sprach Kratzer Lob aus für dessen Verhandlungen mit Frankreich: "Was Jean-Pierre Kratzer erreicht hat, ist fantastisch. Ein paar Rennen weniger ist nicht schlimm. Unser Problem ist, dass wir in bestimmten Perioden zu viele Rennen haben."(wobei dies nach wie vor nicht gelöst ist, sich respektive sogar noch akzentuiert präsentiert; Anmerkung des Schreibenden).

Man müsse, so Kräuliger weiter, auf der anderen Seite sehen, dass es für Deutschschweizer Rennvereine immer schwieriger werde. Für jeden Dielsdorfer Renntag brauche es zum Beispiel neben den Preisgeldern noch einen Deckungsbeitrag von 140'000 Franken (davon die Hälfte, um die Rechnungen der Verbände, respektive IENA zu begleichen). "Wir werden in Dielsdorf sicher keinen PREMIUM-Renntag im August über Mittag machen. Es gibt nächstes Jahr nur noch drei Renntage in Dielsdorf. Wir könnten zwar mehr Rennen veranstalten, aber finanzieren können wir nur drei Renntage", erklärte Kräuliger weiter, "im August werden wir einen Samstag-Renntag nur mit Galopprennen machen, am anderen Tag sind in Avenches dann Trabrennen."

 

 

Die Zahlen für das Schweizer Rennjahr 2019:

  • Total 395 Rennen in der Schweiz (224 Trab, -19 gegenüber 2018; 171 Galopp, -7 gegenüber 2018)
  • Total 4'442'000 Franken Preisgeld (2'183'000 Galopp, minus 72'000; 2'259'000 Trab, minus 185'000)
  • In Avenches total 23 Rennen (-9 Galopp, -14 Trab) und 277'000 Franken Preisgeld (-110'000 Galopp, -167'000 Trab) weniger.
  • In der Deutschschweiz (ohne Schnee) total 11 Rennen (-4 Galopp, -7 Trab) und 69'000 Franken (-19'000 Galopp, -50'000 Trab) weniger
  • Bei den Schnee-Rennen gibt es, falls die Wetterbedingungen alle Rennen in Arosa und St. Moritz zulassen, 8 Rennen und 89'000 Franken Preisgeld mehr als im 2018 (wobei ja Arosa nicht stattfand; faktisch gegenüber 2017 also auch hier ein Rückgang).

 

44 Mal finden gemäss dem provisorischen Plan (JPK betonte, bis Ende November werde unter den einzelnen Ländern noch über Rochaden verhandelt) im 2019 Rennen in Avenches statt. 4 Mal mehr als in der zu Ende gehenden Saison. Doch es gibt eben jedes Mal nur wenige Rennen - jeweils 3 PREMIUM-Rennen, die gemäss Kratzer durch ein bis zwei andere Rennen (ohne Wetten) ergänzt werden. Vier bis fünf Rennen sollen diese Mini-Mittags-Réunions umfassen.

 

Es fällt auch auf, dass im März und November nur noch je zwei Renntage auf dem Plan figurieren (gegenüber je 4 in diesem Jahr). Hier könne es noch Änderungen geben, sagte Kratzer. Wäre schön und wichtig - denn wenn sich alles noch mehr auf nur 7 Monate von April bis Oktober konzentriert, wird es noch schwieriger.

 

"Die einzigen Leute, die enttäuscht sein werden, sind diejenigen, die Rennen mit 4 oder 5 Startern möchten. Damit ist Schluss, ausser natürlich bei klassischen Rennen", fasste Kratzer zusammen.

 

Die Ausschreibungen werden noch mehr zu Quadratur des Kreises

Erste Reaktionen auf die Informationen kamen von Trab-Aktiven noch während der Versammlung. Nathalie Gonin und José Davet monierten, sie hätten mehrere Pferde, welche über Wochen und Monate keine Rennen gehabt haben. Das passe nicht damit zusammen, dass stets mehr Starter gefordert würden. Das Programm müsse besser werden. Als der Schreibende darauf hinwies, dass mit diesen noch stärkeren Ballungen der Renn-Termine (z.B. im Oktober innerhalb von 22 Kalendertagen nicht weniger als 10 Renntage, inklusive die beiden in Maienfeld) den Ausschreibungen noch grössere Bedeutung zukomme, es neue Ideen und Wege brauche sowie jedes Pferd unbedingt alle rund 3 Wochen eine Einsatzmöglichkeit haben müsse, gab es Applaus. Was JPK, dünnhäutig wie eh und je bei der geringsten Form von Kritik, zu einer Rüge veranlasste: "Es ist immer dasselbe, jetzt applaudiert ihr, aber wenn man Euch zur Mitarbeit in einer Kommission auffordert, macht ihr nicht mit" - spezielle Aussage des Suisse Trot-Präsidenten, der seinen Vorstand seit Jahren strikt in einer von ihm selbst eingeführten Listenwahl wählen lässt (damit ja keine vielleicht nicht ganz auf der eigenen Linie argumentierende Einzelpersonen im Vorstand Einsitz nehmen können) und die Zusammensetzung jeder Kommission kontrolliert.

 

Klar ist, dass den Ausschreibungen - sowohl für Galopp und Trab - enorme Bedeutung zukommt, im 2019 wie nie zuvor. Denn wenn die Pferde nicht regelmässig Einsatzmöglichkeiten haben, verlieren noch mehr Besitzer die Freude an ihrem Hobby und die Aufgabe der Trainer wird noch schwieriger.

 

 

Ein Kommentar zur Einordnung der Situation des Schweizer Rennsports vor dem entscheidenden Jahr 2019

Nun ist die Katze also aus dem Sack. Die neue PMU-Crew verordnet eine Radikalkur, wobei die Partner im Ausland (welche in den letzten Jahren mitgeholfen hatten, die Zahlen wenigstens einigermassen im Lot zu halten) am meisten abspecken müssen. Mini-Blöcke mit drei Rennen zur Mittagszeit - diesen Happen wirft man Ausländern noch hin. Wer nicht will oder nicht kann, ist raus. So weit die Ausgangslage.

 

Jean-Pierre Kratzer hat in einer schwierigen Situation, das darf ohne Kenntnis genauerer Details konstatiert werden, für die Schweiz in dieser Hinsicht das Optimum herausgeholt. Einen wichtigen Grund dafür, dass die Schweiz in einer besseren Position ist als andere Länder, führte JPK gleich selbst ins Feld. So liefert die Schweiz gemäss seinen Zahlen insgesamt jedes Jahr rund 7 Millionen Euro nach Frankreich ab (den Hauptanteil über die Umsätze der LoRo in der Westschweiz auf französische Rennen), bekommt aber umgekehrt "nur" rund 6 Millionen (davon wie im Artikel erwähnt etwa 3.5 Millionen über die LoRo). Die Schweiz ist somit, gemäss JPK, das einzige Land im PMU-Pool, welches nicht von Frankreich alimentiert wird. Da achten die Franzosen auch von selbst drauf, die Kuh nicht gleich zu schlachten, wenn sie doch Milch gibt.

 

Wenn man nur die Zahlen anschaut (7 Galopprennen und 19 Trabrennen weniger auf Schweizer Rennbahnen im 2019), dürfte manch einer aufatmen. Die befürchtete "Voll-Katastrophe" ist nicht eingetreten. Doch die Ballung der Renntage und Rennen in einigen Perioden macht Angst. Wenn wir den Monat Oktober als Beispiel nehmen, in welchem in 22 Kalendertagen 10 Renntage stattfinden, schwirren viele Fragen im Kopf herum. Solche zu Ausschreibungen, aber auch jene nach den Auswirkungen für Maienfeld. Und wenn wir bei Maienfeld sind, dann fragen ich mich nach der Zukunft der Hindernisrennen. Jetzt, wo längst nicht mehr alle Rennen in Avenches im PREMIUM-Format gelaufen werden, gäbe es die Möglichkeit, wieder mehr Hindernis-Rennen zu veranstalten. Doch wer kümmert sich darum, respektive wo ist die Lobby des Schweizer Hindernisrennsports? Gibt es überhaupt eine solche? Fragen über Fragen. Nicht nur für den Hindernis-Rennsport, sondern für den ganzen Sektor Galopp und die Rennvereine in der Deutschschweiz ist 2019 das Jahr der Wahrheit.

 

Geld, so zeigt auch der Artikel oben auf, ist immer noch vorhanden. Nur weiss niemand (oder nur ein kleiner verschwiegener Kreis), was im Westen aus welchen Gründen wohin versickert. Und nächstes Jahr, Ende 2019, läuft der Vertrag mit Swisslos für die PMU-Wette in der Deutschschweiz aus. Immerhin über 300'000 Franken pro Jahr fliesst aus dieser Quelle an die ADEC zur Verteilung an die Deutschschweizer Rennvereine (die letztes Jahr rund 170'000 Franken davon zur Unterstützung ihrer Renntage erhalten haben). Falls Swisslos, welche mit der PMU-Wette offenbar nach wie vor nicht in der Gewinnzone gelandet ist, die Lust verliert, wird es für die Deutschschweizer Rennvereine noch schwieriger.

 

Und auch wenn dies der eine oder andere Stratege anders sehen mag: Ohne starke Rennvereine und die Publikums-Renntage in der Deutschschweiz, wird es den Schweizer Pferderennsport in der Schweiz in der aktuellen Form früher oder später nicht mehr geben. Den dann zu befürchtenden Verlust an Besitzern, Aktiven, Funktionären etc. können auch keine Pony-Schulen, Museum-Bauten oder sonstige Gegensteuer-Versuche mehr wettmachen. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Dann braucht es auch IENA als Veranstalter von Rennen nicht mehr in diesem Mass, weil es noch weniger Pferde in den Quartieren geben wird.

Vielleicht - und das ist jetzt wirklich reine Spekulation - hat der starke Mann in Avenches dies alles bereits bedacht und bastelt deshalb munter an einer anderen Zukunft von IENA, in welcher der Rennsport eine sekundäre Rolle spielt. Stichwort "Campus". Man darf, respektive muss gespannt sein.

 

Jetzt liegt es an Jean-Pierre Kratzer zu zeigen, wie sehr ihm als SPV- und VRV-Präsident das Wohl des gesamten Schweizer Rennsports mit allen Facetten, allen Sparten und Rennvereinen wichtig ist. Dass er als IENA-Chef für sein "Baby" das Optimum (und oftmals noch etwas mehr) herausholt, hat er mehrfach bewiesen. Nun geht es aber für den Schweizer Pferderennsport um mehr, nämlich ums Ganze.

 

Markus Monstein

 



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