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Kälte sorgte am 1.White Turf-Renntag für erschwerte Bedingungen in Sachen Wetten

Donnerstag, 09. Februar 2012 14:16

Die ausgesprochen kalten Temperaturen waren in mehrfacher Hinsicht problematisch am 5.2.2012 in St.Moritz - der Wettumsatz von weniger als 60'000 Franken deshalb nicht erstaunlich. Eine Analyse.

(mmo) Kalt sollte es ja werden, das war vor wenigen Wochen schliesslich der sehnlichste Wunsch der Organisatoren. Denn das Eis war damals noch zu wenig dick und von zu schlechter Qualität, so dass der Aufbau-Beginn immer weiter verschoben werden musste.

Dann kam die Kälte - und jetzt macht sie nur zögerlich einem etwas angenehmeren Winterwetter Platz.

 

Am ersten White Turf-Sonntag 2012 hatten die Temperaturen am Renntag wesentlichen Einfluss. Zum einen kamen weniger Leute - offiziell hiess es 10'000, was aber aus neutraler Warte zu hoch gegriffen war. Und diejenigen, die auf den See kamen, blieben nur relativ kurz. Sie schauten vielleicht 2 oder 3 Rennen und gingen dann wieder. Sie konsumierten weniger und wetteten auch weniger. 59'308 Franken waren es total. Deutlich weniger als in den letzten beiden Jahren. Einzig am verschneiten Eröffnungstag 2009 gab es mit knapp 40'000 Franken noch weniger.

 

Interessant ist auch die Analyse der einzelnen Wett-Arten. Fast die Hälfte der getätigten Wetten entfiel auf Sieg (28'558). Dann folgte die Platzwette mit 21'906 Franken. Sage und schreibe 50'464 Franken von 59'308 waren also Sieg/Platz-Wetten, "jeu simple" wie die Franzosen es nennen. 85 %! So krass ist dieses Verhältnis auf anderen Bahnen nicht.

 

Bei den Kombinationswetten war ersichtlich, dass die Trifecta-Wette mit 6800 Franken (in 6 Rennen...!) besser angenommen wurde als die Zweierwette Sieg (1300) und die Zweierwette Platz (1200). Dass so keine für die versierteren Wetter wirklich interessanten Quoten zustande kommen, versteht sich von selbst. Oft wurden deshalb die Wetten gar nicht getroffen - weil es sich nicht lohnt, grössere Kombinationen zu wetten, da die potentielen Gewinn-Quoten zu tief sind. Ein Teufelskreis.

 

Wir haben die involvierten Personen zur Situation befragt:

 

- Ursin Bernard (Toto-Chef White Turf) erwähnt neben dem Fakt, dass weniger Leute auf dem See waren, die ungewohnte Kälte auch als Problem für die Technik. "Die Kassen liefen bei diesen Temperaturen am Limit, wir hatten einige Ausfälle. Was man aber auch nicht vergessen darf, ist der Trend, dass auf immer mehr Sportarten im Internet gewettet werden kann. Davon haben wir hier nichts." Bernard hatte am Sonntag 32 Wettschalter (4 im VIP-Zelt) im Einsatz. Auf das Meeting 2012 hin hat er den Recruiting-Prozess angepasst. "Es ist nicht ganz einfach, Leute für den Einsatz an den Wettschaltern zu rekrutieren, die einen Tag lang auf dem See in der Kälte arbeiten. Wir haben nun aber mehr engagiert als letztes Jahr, die Kassen sind zum Teil doppelt besetzt." Die Mitarbeiter werden vor den Rennen 2 Stunden an den Terminals geschult. "Zudem haben wir neu in den einzelnen Wett-Zelten Experten, die den weniger Geübten bei Bedarf helfen können." Insgesamt sind rund 40 Leute für den Toto-Betrieb im Einsatz.

 

- Die Crew der Firma VISAG ist neben der Rennverfilmung und der Zielfotographie für die Technik des Totalisators verantwortlich ist. Bruno Hofer von der VISAG hatte am 5.Februar gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen: "Zum einen waren die Temperaturen schon mal problematisch. Das war tagsüber etwas vom Extremsten in den 35 Jahren, in denen ich das jetzt mache. Zum Beispiel ist der Tintenstrahldrucker für die Zielfotographie eingefroren. Auch Wett-Kassen sind eingefroren. Ein für den Totalisator wichtiger Laptop ist ebenfalls wegen der Kälte abgestürzt, wir mussten die Verbindung nach Paris neu aufbauen und verloren viel Zeit. So kam für uns alles zusammen und wir mussten Prioritäten setzen, damit überhaupt gewettet werden konnte."

Nicht ganz zuoberst standen auf der Prioritätenliste die Wett-Monitore. Die Wetter mussten bis zum 4. Rennen "im Blindflug" wetten, hatten keine Eventual-Quoten der einzelnen Pferde. Dies hielt manchen "Gross-Wetter" wohl vom Wetten ab.

 

- White Turf-CEO Silvio Staub bläst ins gleiche Horn: "Wir wurden alle überrascht, dass es tagsüber so kalt wurde. Das hätten wir so nicht gedacht." Angesprochen auf die Situation, dass ein "Otto Normal-Turfist" keine Möglichkeit hat, sich auf dem See irgendwo aufzuwärmen, erklärte Staub: "Wir haben diesen und andere Aspekte bereits in unserer ersten Manöverkritik angesprochen. Natürlich wäre ein weiteres Zelt ein zusätzlicher Kostenfaktor, aber auch der ökologische Aspekt darf nicht vergessen werden. Wir schauen, welche Verbesserungen für nächstes Jahr möglich sind. Am zweiten Sonntag soll es zumindest mal rund 10 Grad wärmer werden!"

 

Fazit: Es kam einiges zusammen am ersten White Turf-Renntag 2012. Doch der tiefe Wettumsatz sowie insbesondere auch die Verteilung desselben auf die einzelnen Wett-Arten muss zu denken geben. Wenn auch noch die letzten "Profi-Wetter" nicht mehr auf die (Deutsch-)Schweizer Rennplätze kommen, verlieren die Veranstalter noch mehr Einnahmen.

Wenn ein solcher Wetter in 6 Rennen 1000 Franken umsetzt - was eine durchaus realistische Zahl ist - macht das über drei St.Moritzer Renntage 3000 Franken. 30 Prozent, also 900 Franken, davon gehört dem Veranstalter, respektive fehlt diesem dann. Bei einem einzigen (zugegeben atypischen) Wetter.

Dringend sollten jetzt auch endlich wieder Wett-Karten gedruckt werden, damit die komplizierteren Kombinationswetten nicht mehr mühsam mündlich an das zum Teil überforderte Toto-Personal übermittelt werden müssen. Wir weisen seit Jahren darauf hin. Doch nichts passiert. Vielleicht jetzt?

 

 



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