Unser Fotograf Ueli Wild kann als stellvertredender Chefredaktor des Oltner Tagblatts auch mit spitzer Feder schreiben. Wir publizieren hier gerne seine Glosse "Unten ohne" aus dem Oltner Tagblatt, welche durch unseren Hinweis auf den Artikel im Online-Magazin Europolitan inspiriert wurde.
Gibt es Bekleidungsvorschiften für die Besucherinnen und Besucher von EM-Spielen? Wenn man die Bilder aus den Stadien sieht, könnte man es meinen. Die eine Hälfte blau, die andere rot, um ein Beispiel zu nennen. Was nicht zwingend als Aussage zum Alkoholpegel oder zum Sonnenbrand-Verbrennungsgrad gemeint ist. – Nein, im Ernst: Die UEFA hat vieles vorgeschrieben, nicht aber das Tenue. Die Konzentration auf jeweils zwei Farben ist freiwillig. Perfekt. – Aber eigentlich meine ich etwas anderes. Und nehme deshalb meinen ganzen Mut zusammen, die alles entscheidende Frage ganz direkt zu stellen:
Besteht Unterwäsche-Pflicht? – Nein, Sie brauchen, falls Sie ein Spiel besucht haben, die Frage nicht persönlich zu beantworten. Aber Sie werden sich dann vermutlich kaum daran erinnern können, dass die UEFA eine entsprechende Weisung erlassen hätte. Ich weiss, es ist heiss, aber die Frage stelle ich nicht, weil meine delirierende Fantasie ab 30 Grad Bürotemperatur Aussetzer im Bereich des guten Geschmacks verzeichnen würde. Ich stelle sie bei vollem Bewusstsein, habe ich doch via www.horseracing.ch erfahren, dass das Online-Magazin Europolitan einen Artikel zu genau dieser Frage publiziert hat. Nicht im Zusammenhang mit der Euro, sondern mit Royal Ascot, wo sich die britische Haute Volée trifft. Und was lese ich? Ab sofort gebe es keine peinlichen Überraschungen mehr in Sachen Damengarderobe. Was ich sexistisch finde, weil von der Herrengarderobe keine Rede ist. Aber davon, dass laut neuem Ascot-Kodex, die Damen ausnahmslos «zum Tragen einer Unterhose absolut verpflichtet sind.»
Sie dachten, das sei eigentlich selbstverständlich. Ich auch – bis ich eines Tages nach ... Ascot fuhr. Von York aus, mit dem Zug, und es war nicht Royal Ascot, aber immerhin die King George VI. and Queen Elisabeth Diamond Stakes, ein Gruppe-I-Rennen mit Weltklassepferden. Royal oder nicht Royal, die Queen war trotzdem da und gratulierte Mick Kinane, der Galileo zum Sieg über Fantastic Light geritten hatte.
Und dann eben: Zurück am Bahnhof wars. Da stand die junge Frau in ihrem sandfarbenen kurzen Sommerkleidchen wieder, die mir beim Verlassen des Rennplatzes aufgefallen war, weil sie die Schuhe ausgezogen hatte, was ihrem Gang eine Geschmeidigkeit verlieh, die sich wohltuend von den Staccato-Schritten abhob, mit denen Scheich Maktoum al Maktoum und seine schwarzgekleideten Männer grimmigen Blickes durch den Führring geeilt waren. Die Sandfarbene wartete nun auf den Zug, und wenns einen juckt, kratzt man sich – nicht nur man, sondern auch frau, klar. Auf der nackten Haut. Und zu dem Zweck zieht frau in Ascot Station eben mal kurz das sonst schon kurze Sommerkleidchen nach oben. Sekundenbruchteile warens. Ich fand den Anblick slightly überraschend. Andere würden so was vielleicht haarig finden. Jedenfalls sah ich, wo Ascots Sittenwächter ihre Ideen hernehmen. Slip- statt Security-Check also? – Lucky die UEFA, die keine solchen Sorgen hat!
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