Gegen 50 Personen waren am Samstag 7.März 2009 an der GV von Suisse Trot in Avenches dabei. Jean-Pierre Kratzer führte in gewohnter Manier durch die Versammlung, die zunächst wenig Überraschendes bot.
Kratzer sprach über das Jahr 2008 in seinem Jahresbericht von "einem der schönsten in der Trabergeschichte", mit 196 Rennen auf Schweizer Bahnen und 2,136 Millionen Franken Preisgeld.
Bedenken äusserte der Präsident insbesondere bezüglich der Entwicklung in der Deutschschweiz. Von 196 Rennen (12 davon auf Schnee) werden lediglich noch rund 50 auf Gras gelaufen.
Das Finanzjahr von Suisse Trot schliesst mit einem kleinen Gewinn von rund 11'000 Franken - wegen Sonderfaktoren aus Mehrwertsteuer-Gründen ergibt sich schliesslich jedoch ein Jahresverlust von 142'479.62 CHF. Dennoch sei die Finanzlage von Suisse Trot "gesund", schreibt Kratzer in seinem Jahresbericht. Das negative Reinvermögen, welches vor 3 Jahren noch 300'000 Franken betrug, konnte per 31.12.2008 auf nunmehr 153'788.95 CHF reduziert werden.
Interessant erscheint uns die Tatsache, dass bei einer Bilanzsumme von 887'453.41 Franken per 31.12.2008 nicht weniger als 862'444.19 Franken auf den einzelnen Besitzerkonti lagen.
Die vom Vorstand vorgeschlagene Statuten-Änderung betreffend Ponytrabrennen (welche Kratzer als "strategisch sehr wichtig" für die Erschliessung neuer Besitzerkreise bezeichnete) wurde einstimmig angenommen - so sind nun Ponytraber automatisch Mitglieder von Suisse Trot, wenn sie an anerkannten Ponyrennen mitmachen. Sie zahlen jedoch keinen Mitgliederbeitrag. Um Missverständnissen (die aus dem Wortlaut durchaus entstehen könnten) vorzubeugen: Nicht die Ponytraber selbst, sondern die Fahrerinnen und Fahrer werden Mitglied...
Die anderen Anträge auf Statutenänderungen, welche von Invar Niederberger als Förderung des Trabrennsportes verstanden haben wollte, wurden abgelehnt. Jean-Pierre Kratzer dankte Niederberger jedoch und forderte ihn auf, doch auf Rennvereinsebene bei der Sponsoren-Suche mitzuhelfen.
Wie so oft an solchen Versammlungen waren die vermittelten Zusatz-Informationen, das wirklich spannende.
In Sachen Ruswil brauchte Jean-Pierre Kratzer deutliche Worte: "Das ist nichts, es wird in Ruswil nichts geben."
Es stimme auch nicht, dass er mit Ruswil zusammenarbeite. Es habe eine einzige Sitzung mit dem Projektleiter Peter Kohler gegeben, die allerdings nicht lange gedauert habe. "Am Schluss hat er gesagt, er als Projektleiter sehe keine Möglichkeit, ein Zentrum wie IENA zu bauen", erklärte Kratzer.
Am Tag vor der GV war der Vorstand Suisse Trot (und auch Galopp Schweiz) vom RVZ-Vorstand über den Stand des Projektes Dielsdorf orientiert worden. Kratzer sprach von einem interessanten Grobkonzept, welches jetzt weiterentwickelt und diskutiert werde. Im Sommer sei mit neuen Informationen zu rechnen.
Bei den Trainerlizenzen soll es eine Änderung geben. Privat-Trainer dürfen künftig im Gegensatz zu den Berufstrainern nur noch maximal 5 Pferde trainieren (eigene Pferde, die eines Verwandten ersten Grades sowie von einem fremden Besitzer). Ab wann diese Einschränkung in Kraft treten soll, konnten wir leider bisher noch nicht in Erfahrung bringen (liefern wir aber später nach). Wir sind aber der Meinung, dass so eine Regelung nicht quasi "über Nacht" eingeführt werden kann - die betroffenen Trainer müssen ja die Möglichkeit haben, sich zu organisieren.
Abschliessend gewährte Jean-Pierre Kratzer allen Interessierten einen ausgesprochen interessanten Einblick in seine Arbeit auf europäischer Ebene in Sachen PMU und Liberalisierung des Wettmarktes.
Besonderes Augenmerk gilt dabei den Internet-Wetten. Die durchaus bestechende Grundidee der "territorialen Zuordnung" dabei ist folgende: Jeder Internet-Wetter wird identifiziert und einem Gebiet zugeordnet (z.B. Romandie, Frankreich oder eben Deutschschweiz). Dorthin fliessen dann auch die Abgaben (Steuern etc) sowie Erträge für den Rennsport zurück.
"Wenn dies nicht so eingeführt wird, gibt es in 10 Jahren in Europa keine Pferderennen mehr", zeigte sich Kratzer überzeugt.
Das Schweizer Lotterie-Gesetz werde in den nächsten 2 bis 3 Jahren ebenfalls geändert. Diesbezüglich keinem leise Hoffnungen auf, dass zusammen mit der erwähnten Internet-Geschichte vielleicht doch dereinst PMU-Gelder in den Deutschschweizer Rennsport fliessen könnten.
Allerdings gibt es in Sachen PMUR unverhofft ein Problem, welches Jean-Pierre Kratzer dringend lösen muss. Da in Frankreich - wie am Freitag 6.3.2009 vermeldet - künftig mehr Geld (80 Prozent anstatt wie bisher 74%) an die Wetter ausbezahlt werden soll, stimmt der Verteil-Schlüssel für die Abgaben auch in der Schweiz nicht mehr (nur noch 20 statt 26 % für Kosten, Abgaben an Kanton und Bund, Rückfluss in den Frankreich- und in den CH-Rennsport). Sollte die ADEC von diesem Kuchen nicht wie bisher 3 % erhalten sondern z.B. nur noch 2%, würde dies ein Drittel weniger Einnahmen (sprich Preisgelder in Avenches) bedeuten.
Wir bleiben für Sie dran an der Geschichte.
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