Es kam am Ende nicht ganz zum grossen Revanche-Duell zwischen Pont des Arts und dem Münchner Gast Poseidon Adventure. Die beiden trennten im Ziel zwar nur gerade 4 Hundertstelssekunden (Hals), die der Schärer-Schützling vor dem aussen anbrausenden Favoriten ins Ziel rettete. Weitere 1.6 Hundertstelsekunden (kurzer Kopf) dahinter folgte Eiswind.
Doch weil Poseidon Adventure, der eingangs der Gerade von Ailton (ungeahndet) weit nach aussen mitgetragen wurde und dadurch auf den ganz innen galoppierenden Pont des Arts gut und gerne ein paar Längen verloren hatte, im Endkampf durch Wegbrechen Wassiljew behindert hatte (rennentscheidend, so die Ansicht der Rennleitung), wurde er hinter diesen auf den vierten Platz zurückversetzt.
Den grossen Sieg von Pont des Arts, den Frédéric Spanu vor den Augen des verletzten Stammjockeys Olivier Plaçais hervorragend geritten hatte, soll dies keineswegs schmälern - er hat das Glück des Tüchtigen beansprucht. Aber unter normalen Umständen hätte der Sieger immer Poseidon Adventure geheissen.
Der Entscheid der Rennleitung, Poseidon Adventure hinter Wassiljew zurückzuversetzen, sorgte für hitzig geführte Diskussionen. Dabei war weniger die Frage, ob Wassiljew behindert worden war, sondern vielmehr diejenige, ob eine solche Behinderung tatsächlich rennentscheidend war - sprich, ob Wassiljew ohne Behinderung eine bessere Klassierung als Rang 4 hätte erreichen können. In Anbetracht der ausgesprochen knappen Abstände (Hals und kurzer Kopf) unter den drei erstplazierten, hätte man dafür die Meinung vertreten müssen, Wassiljew hätte das Rennen ohne Behinderung gewinnen können - dies war unseres Erachtens nicht der Fall. Zumal Philipp Schärer im Sattel von Wassiljew jederzeit vorwärts reiten konnte.
Wir (und da sind wir nicht die einzigen) stellen uns ernsthaft die Frage, ob die Rennleitung gleich entschieden hätte, wenn nicht kürzlich das Sportgericht SPV den Rekurs aus dem Défi-Rennen (mit Song of Victory/Ailton) gutgeheissen hätte. Die Rennleitung rund um ihren Präsidenten Peter Berner schien zumindest etwas verunsichert und wollte wohl verhindern, dass ein Rekurs wieder einen ihrer Tatsachen-Entscheide umstösst.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, in Kürze die Urteilsbegründung aus dem gutgeheissenen Défi-Rekurs vom Sportgericht zu bekommen. Der Rennleitung, so fragwürdig der Poseidon Adventure-Entscheid auch war (nach den uns zur Verfügung stehenden Filmaufnahmen -> siehe Video mit Zeitlupe hätten wir nicht so entschieden) , muss zu Gute gehalten werden, dass es schwierig ist, quasi im "luftleeren Raum" zu entscheiden.
Mehrere Experten, die nicht namentlich genannt sein wollen, waren überzeugt, dass in Deutschland oder auch Frankreich nach einem solchen Vorfall keine Rückversetzung erfolgt wäre.
Die Rennleitung hatte dabei Glück, dass Poseidon Adventure um einen Hauch nicht als Erster im Ziel war - denn in diesem Falle wäre der Entscheid noch folgenschwerer gewesen. Den Gast zurückversetzen und damit dem unbeteiligten Pont des Arts den Sieg ermöglichen? Dieser Entscheid hätte (auch international) zwangsläufig noch mehr Diskussionen ausgelöst.
Dass die Entourage von Poseidon Adventure über den Entscheid verärgert ist, liegt auf der Hand. Trainer Wolfgang Figge war trotz 6 Startern gleichentags zu Hause in München extra nach Dielsdorf gereist. Zwei seiner Schützlinge gewannen in München, darunter einer namens Oh Happy Day - ein solcher wurde es für den 63-Jährigen in Dielsdorf nun definitiv nicht. "Das war das zweite und letzte Mal, dass wir in der Schweiz am Start waren", erklärte der bald 700-fache Siegtrainer aus München, "das habe ich so auch der Rennleitung gesagt, obwohl mir natürlich bewusst ist, dass denen das egal ist."
Es gibt sicher einige im Schweizer Rennsport, die sich freuen, wenn Pferde wie Poseidon Adventure nicht (mehr) in die Schweiz kommen. So bleibt mehr Geld für die Schweizer Quartiere. Doch Hand aufs Herz, gerade in den grossen Rennen sind Gäste doch das Salz in der Suppe. Wir alle haben in den letzten Jahren doch besonders dann mitgefiebert und -gejubelt, wenn die Schweizer Elite, namentlich Glavalcour, gegen auf dem Papier stärkere Gäste gekämpft und gewonnen hat.
Auf den Spuren genau des unbestrittenen grossen Publikumslieblings Glavalcour wandelt Pont des Arts. Der Grand Prix LGT Jockey Club 2009 war sein 14. Volltreffer, die Marke von Glavalcour liegt bei 21. In Sachen Preisgeld ist Pont des Arts nun bei insgesamt über 260'000 Franken angelangt, Glavalcour hatte deutlich über 300'000 Franken auf seinem Konto.
Beide Marken dürfte der Schützling von Andreas Schärer übertreffen. Mit fünf Jahren hat er noch einige Rennen vor sich, er muss nur gesund bleiben.
(wie immer: wer bis Montag Mittag bestellt, hat die Fotos am Dienstag im Briefkasten...).

Die Perspektive täuscht: Poseidon Adventure (aussen, mit Georg Bocskai) war nur hauchdünn hinter Pont des Arts, aber vor Eiswind (Foto: Ueli Wild)
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