Die positive Nachricht vorweg: Die am Sonntag in Avenches fürchterlich gestürzte Karin Zwahlen (Sattel hatte sich beim Ritt auf Blue Damask auf dem Weg zum Sieg gedreht) figuriert bereits wieder auf der Startliste (im Sattel von Floriana). "Ja, ich bin schon wieder fit", bestätigte die furchtlose Rennreiterin am Mittwoch auf Anfrage, "habe heute im Training schon wieder drei Pferde gearbeitet!" Zwahlen wurde im Spital komplett durchgecheckt - zum Glück wurden nur Nacken- und Beckenprellungen festgestellt.
Spannung pur verspricht der Grosse Preis der Schweiz, 4200 Meter trennen 11 Kandidaten (so viele wie seit 1995 nicht mehr) vom Preisgeld von insgesamt 50'000 Franken. Die Wetter haben die Möglichkeit mit einer Quarté-Wette unter Umständen einen schönen Batzen zu verdienen.
Titelverteidiger Vac de Regnière muss unter Höchstgewicht antreten und fünf Gegnern 10 beziehungsweise 12 Pfund "geben". Die weiteren Schweizer Waffen Plusvite und Great Spain sind auch recht hoch belastet. Hingegen ist Quick Fellow und Ungar, der Triumphator 2007, gewichtmässig im Mittelfeld anzusiedeln.
Der Kreis der Sieganwärter ist gross. Vac de Regnière ist als Titelverteidiger und zuletzt souveräner Sieger in Avenches (allerdings in einem langsam gelaufenen Rennen) wohl das zu schlagende Pferd. Doch wird Plusvite kaum nochmal so verhalten geritten, Great Spain läuft nach dem Motto "still going strong", Quick Fellows Qualitäten könnten in Aarau gut zur Geltung kommen, Ungar ist der Aarau-Spezialist schlechthin, Bric d'Or kann deutlich mehr als zuletzt gezeigt, und Roi de Rose hat bei seinen letzten beiden Starts (beide Male in Aarau) auf tieferer Ebene überzeugt. Schwierig sieht es hingegen auf dem Papier für Hedro aus.
Gleich alle drei Neulinge haben das Zeug, die Schweizer Steeple-Szene gehörig aufzumischen. Den Halbblüter Quelca de Thaix haben wir bereits an anderer Stelle kurz vorgestellt. Der Ex-Macaire bringt aus der Provinz einen interessanten Leistungsausweis mit.
Pferdehändler Jakob Rohr nimmt einen neuen Anlauf, den GP Schweiz zu gewinnen - ein Unterfangen, das 2007 wegen des Husarenstreichs von Ungar und Romain Giller gescheitert, zuvor aber 2003 (Royal d'Orthe), 1998 (Florid River) und 1996 (Gelord) gelungen war.
Wie vor zwei Jahren bringt Rohr ein Duo an den Start. Der bereits 12-jährige (!) Thenymon hat sich in sage und schreibe 74 Hindernistarts bewährt. 23 Mal hat er gewonnen (zuletzt am Mitte August in Vittel - übrigens mit Quelca de Thaix Kopf und Hals zurück, während der Halbblüter nun besser im Gewicht steht) und 35 Platzgelder geholt. Sein letzter Auftritt in der Grand Steeple Chase im belgischen Waregem (100'000-EUR-Handicap über 4600 Meter) brachte mit Rang 5. (sehr deutlich geschlagen Letzter im Ziel) sogar noch 5000 EUR ein.
Der zweite Rohr-Schützling Michel le Brave hat seine zwei letzten Rennen in Auteuil gewonnen (nachdem er zuvor keinen Sieg erzielen konnte), allerdings auf Reclamer-Niveau. Bei sieben seiner zwölf Starts (3 Siege, 5 Plätze) agierte der Vierjährige in Verkaufsrennen. Nach dem letzten Start am 11.September 2009 kaufte ihn Jakob Rohr für 22'222 EUR (rund 33'500 Franken). Vielleicht gilt hier die alte Turf-Formel: Form schlägt Klasse.
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