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Avalon



Foto-Finish nach 5500 Metern: Avalon schlägt Aibas im GP Maienfeld! (UPDATED)

Sonntag, 11. Oktober 2009 20:15

Was für ein Finale nach 5500 Metern und 34 Hindernissen: Die vor Ort von Bettina Lampert trainierte Avalon gewann auf dem Rossriet für den Stall Rossriet den Grossen Preis von Maienfeld - es war der erste Sieg der fünfjährigen Fuchsstute überhaupt. Und wir Schweizer müssen uns damit abfinden, dass Österreicher nicht nur schnell skifahren sondern auch im längsten Pferderennen der Schweiz die Nase vorn haben - so jedenfalls die Aussage des 30-jährigen Siegreiters, einem gebürtigen Wiener. 


 

Hitchcock-Finale nach 5500 Metern und 34 Hindernissen im Cross-GP von Maienfeld (11.Oktober 2009). 

Das schwierigste und längste Pferderennen der Schweiz stand am ersten Renntag auf dem Maienfelder Rossriet im Mittelpunkt. 5500 Meter, gespickt mit 34 anspruchsvollen Hindernissen, trennten die sechs Pferde und ihre Reiter vom Sieg im prestigeträchtigsten Schweizer Cross-Country. Rund 9000 Zuschauer waren gekommen, um die in Maienfeld stets wie Gladiatoren gefeierten Querfeldein-Stars zu unterstützen und zu wetten: 129‘700 Franken flossen insgesamt durch die Wett-kassen (vor einem Jahr waren es mit 12‘500 Zuschauern 162‘229 Franken - allerdings bei einem Rennen weniger!).
Petrus meinte es gut mit der neuen Crew des Rennvereins Maienfeld/Bad Ragaz rund um Präsident Michael Stocker, welche die Feuertaufe bestanden hat. Noch in der Nacht auf Sonntag und auch einen danach goss es zum Teil wie aus Kübeln. Und beinahe wäre noch der "Bonus" geglückt und die Maienfelder hätten die Prämie für die abgeschlossene Regenversicherung kassiert - 6 Millimeter hatte es von Sonntag 6.00 Uhr bis Montag 6.00 Uhr geregnet, bei mehr als 8 Millimeter Niederschlag hätte die Versicherung zahlen müssen... 

 

Verdienter Sieg nach turbulentem Rennen

Die Ausgangslage vor dem gestrigen Querfeldein-Gipfeltreffen war so offen wie schon lange nicht mehr. Für jeden aus dem Sechserfeld liessen sich Gründe finden, wieso gerade er oder sie im Kampf um 30‘000 Franken Preisgeld am Ende  weit vorne anzutreffen sein sollte. Das Rennen wurde wie letztes Jahr von Negus des Mottes schnell angegangen.

Doch Jockey Sylvain Dupuis konnte nicht verhindern, dass der etwas gar schnell über dieses Hindernis gerittene Leader beim Aussprung vom Käppeli-Wall, dem 21 von 34 Sprüngen, nach rechts ausbrach und das Fanion nicht korrekt passierte – wie auch der unmittelbar nachfolgende L’Indien du Cadran. Somit war nur noch ein Quartett im Rennen. Wieso Sylvain Dupuis, der sich redlich mühte Negus des Mottes anzuhalten (und ihn nicht einfach am nächsten Sprung vorbeizusteuern, damit kein gegnerisches Pferd ihm "nachlief") noch einen Tag Lizenzentzug für "falsche Bahn" bekam, bleibt das Geheimnis der Rennleitung - weit schlimmer und völlig unverständlich war die Aktion seines Kollegen Hubert Terrien. Der Reiter von L'Indien du Cadran musste mitbekommen haben, dass er das besagte Fanion nicht richtig passiert hatte. Trotzdem ritt er nach kurzem Zögern unbeirrt weiter und kam nach dem zweitletzten Sprung (Jeninser) gar zu Fall. Ein Unsinn, der für das Pferd ernsthafte Folgen hätte haben können. Oder auch für andere Konkurrenten - nicht auszudenken, wenn dabei noch ein korrekt im Rennen befindliches zu Schaden gekommen wäre. 

Als im letzten Viertel des Rennens die Aussenseiterin Avalon mit einer engen Wendung die Spitze übernahm, ging ein Raunen durch das Publikum. Die von Bettina Lampert für den Stall Rossriet trainierte Fünfjährige galoppierte und sprang bestechend. Bis vor dem letzten Sprung hatte sich Aibas an zweite Stelle vorgearbeitet. Doch während sein Reiter Philipp Schärer ihn schon stark vorwärts trieb, blieb Stephan Karnicnik im Sattel von Avalon erstaunlicherweise noch ruhig. "Ich kenne sie, man darf nicht zu früh forcieren mit ihr", meinte der Österreicher hinterher.
Nach dem letzten Sprung lieferten sich Avalon und Aibas ein packendes Duell um den Sieg – den sich Avalon mit einem Kopf Vorsprung, weniger als vier Hundertstelssekunden, holte. Rang drei ging an Quel Beau Mec mit Urs Wyss.

 

Rennreiter-Blut in den Genen - Sohn eines zweifachen GP-Schweiz-Siegers...

Stephan Karnicnik, der Reiter von Avalon, freute sich riesig über den Sieg. "Das ist einer meiner schönsten Erfolge, weil ich ihn überhaupt nicht erwartet hatte", erklärte der "erst" rund 25-fache Siegreiter. Der 30jährige Wiener, der sich als einzigen Hindernisreiter Österreichs bezeichnet, hatte grossen Anteil am Sieg. "Ohne die hervorragend gelungene Wendung, wäre Avalon wohl dritte oder vierte geworden. So haben wir etwa 20 Längen gutmachen können."

Dabei grenzt es an ein Wunder, dass Stephan Karnicnik überhaupt noch Rennen reiten kann. Der seit 2005 in Italien reitende ehemalige Publizistik- und Journalismus-Student, der in England eine Lehre zum Hindernisreiter gemacht hat, war vor zwei Jahren im Training schwer gestürzt. "Der erste und zweite Halswirbel war gebrochen, linksseitig war ich vier Monate gelähmt und deshalb acht Monate im Spital“, erzählte er.
Anfang September dieses Jahres hat er sich das Schlüsselbein gebrochen und war erst am Freitag vor dem grossen Sieg vom Arzt wieder gesundgeschrieben worden. Philipp Schärer, der mit Aibas alles richtig gemacht hatte, musste zur Kenntnis nehmen, dass Österreicher nicht nur schnell Skifahren sondern auch stark Rennen reiten können.

Kein Wunder bei Stephan Karnicnik: Schon sein Vater hat im Schweizer Hindernisrennsport bleibende Spuren hinterlassen. Sein Name ist in den Siegerlisten leicht anders geschrieben: E.Karnitschnik gewann 1964 (mit Fondor für den Stall Astrua) und 1965 (mit Via Vento für B.Gossauer) den Grossen Preis der Schweiz in Aarau.


Für Avalon war es der erste Sieg überhaupt. Die in ihren jungen Jahren in Tschechien unter anderem auf der anspruchsvollen Bahn von Pardubice gelaufene Fuchsstute, deren Züchter auch auf dem Rossriet mitfeierten, hat ungemein viel Ausdauer. "Ein Sprint nach 5500 Metern liegt ihr besser als einer nach 4000 Metern“, analysierte Trainerin Bettina Lampert - für sie ist der Sieg ausgleichende Gerechtigkeit:  Vor zwei Jahren hatte ihr Schützling Verior den Sieg im GP Maienfeld bekanntlich nur um 5 Tausendstelssekunden verpasst.

 



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