Sportlich haben wir nahezu alles auf horseracing.ch abgehandelt, was in der Saison 2009 für die grossen Schlagzeilen gesorgt hatte. Nun wollen wir zu Beginn der neuen Saison kurz nochmal zurückblicken auf einige Eckdaten des vergangenen Jahres - um dann einen Ausblick auf die Saison 2010 zu wagen.
"Abwärts-Trend vorerst gestoppt" - hatten wir vor einem Jahr zum Thema Wetten in der Schweiz getitelt. Nun ist im Nachhinein leider klar, dass dies nur ein frommer Wunsch war. Denn die Umsätze fielen 2009 grösstenteils schlechter aus als im Vorjahr. Die teilweise enormen Einbussen waren da und dort witterungsbedingt, wie zum Beispiel in St.Moritz - an White Turf wurde 2009 lediglich 196'000 Franken umgesetzt, ein Minus von fast 40 % gegenüber 2008. Dies macht für die WTRA über den Daumen gepeilt über 38'000 Franken weniger Einnahmen aus dem Wettgeschäft aus. Auch beim Rennverein Maienfeld/Bad Ragaz war die Einbusse sehr gross: Der Umsatzrückgang von 100'389 Franken bedeutete rund 30'000 Franken weniger Einnahmen. Allein diese zwei Rennvereine hatten also zusammen fast 300'000 Franken weniger Wett-Umsatz zu beklagen. Illusorisch zu hoffen, die anderen Vereine hätten dieses Loch stopfen können. Im Gegenteil - Dielsdorf musste bei 5 Renntagen rund 90'000 Franken weniger Umsatz in Kauf nehmen, bleibt aber mit 391'988 Franken der Schweizer Rennverein mit dem grössten Gesamtumsatz. Dichtauf folgt Aarau (358'098 Franken; 24'000 Franken als 2008), dann Frauenfeld (350'540) wie Aarau (noch) mit einem Renntag weniger als Dielsdorf, mit einem 2009-Umsatz-Minus von rund 36'000 Franken.
Arosa (-6182) war fast gleichauf mit 2008. Effektiv mehr Umsatz als im Vorjahr machten nur Fehraltorf (dank einem schönen Ostermontag) mit Plus 39'421 Franken sowie Saignelégier mit vernachlässigbar kleinen Umsatzen (6719 Franken gebenüber 6025 im Vorjahr).
Seit jeher als Sonderfall gilt Avenches. Auf der Rennbahn wurden nach unseren Recherchen (nach offiziellen Zahlen aus den Rennkalendern) im 2009 total 257'544 Franken umgesetzt - also knapp 12'000 Franken pro Renntag. Doch bekanntlich zählt für Avenches die "Platz-Wetterei" nur am Rande, obschon dies im 2009 immerhin rund 77'000 Franken in die Kasse des IENA spülte. Weit wichtiger sind jedoch die Umsätze der PMUR, welche sich mit wiederum (geschätzten) rund 120 Millionen Franken im Rahmen der Vorjahre bewegten.
Insgesamt resultierte nach unseren Recherchen ein Umsatz-Total auf den Schweizer Rennplätzen von 1'995'441 Franken (Vorjahr 2'428'000, minus 17.8 %), wobei diese Zahlen noch nicht offiziell sind - so bleibt noch etwas Hoffnung, dass irgendwo noch knapp 4500 Franken "gefunden" werden, damit die Marke von 2 Millionen Gesamt-Umsatz nicht erstmals seit Urzeiten unterschritten wird - dies nachdem sich seit 2005 die Umsätze um 2.4 Millionen Franken eingependelt hatten. Der Rückgang gegenüber 2008 bedeutete für die Rennvereine Mindereinnahmen in Höhe von (brutto) rund 129'000 Franken. Geld das dringend hätte gebraucht werden können...
2005 pendelt der Gesamtumsatz auf Schweizer Bahnen zwischen 2.4 und 2.46 Millonen Franken. Nach zuvor zum Teil dramatischen Verlusten.
Die 30 Prozent, welche den Rennvereinen nach Auszahlung der Gewinne verbleiben, sind immerhin über 700'000 Franken (!), welche eine nicht ganz unwesentliche Grösse im Budget der einzelnen Veranstalter darstellen - wobei natürlich festzuhelten gilt, dass letztlich nach Abzug der Kosten (für Wett-Infrastruktur und -Personal etc.) je nach Rennverein "nur" schätzungsweise rund 10 bis 15 % der Umsätze für die Rennvereine übrig bleiben.
Toto-Umsätze auf Schweizer Rennbahnen von 1992 bis 2009
Diese Frage, die wir schon letztes Jahr gestellt hatten, ist demnach wichtiger denn je - mögliche (Teil-)Antworten hatten wir auch geliefert. Sie verpufften - zwar nicht ungelesen, aber so doch "un-umgesetzt".
Deshalb publizieren wir unsere Ideen nochmal...!
Denn wir sind der Meinung, dass ein paar einfachen Anpassungen, wäre durchaus Steigerungspotential drin. Einige dieser Vorschläge sind auch bereits von den Rennvereinen (Verband der Rennvereine, VRV) erkannt worden und warten auf Umsetzung.
Die Massnahmen zielen vor allem auf die geübteren Wetter - denn wir sind überzeugt, dass ein relativ kleiner Personen-Kreis von vielleicht 100 bis 200 Wettern auf den meisten Rennbahnen für einen grossen Teil des Umsatzes (schätzungsweise 50 bis 60 %) verantwortlich sind. Wenn diese wieder mehr wetten, steigen die Zahlen.
Wir haben uns auch bezüglich der Dotationen, der Anzahl Rennen sowie der startenden Pferde und deren Gewinne mit viel Zahlenmaterial auseinander gesetzt.
Die wichtigsten Erkenntnisse daraus:
Fazit: Der Trab-Sektor ist nach wie vor in einer Boom-Phase, bei den Flachrennen status-quo und der Hindernis-Rennsport befindet sich in einer ausgesprochen schwierigen (für die Zukunft entscheidenden) Phase.
Das Jahr 2009 verlief homepage-technisch hervorragend. Insgesamt registrierten wir im 2009 die unglaubliche Marke von 20 Millionen Hits (!) und in Sachen Zugriffe auf unsere Homepage steuern wir unaufhaltsam dem 7 Millionen-Meilenstein entgegen. Im 4. Jahr unseres Bestehens freuten wir uns über Besucher aus "aller Herren Ländern"... Am meisten Zugriffe verzeichnen wir logischerweise aus der Schweiz. Doch auch in Deutschland, Holland, Frankreich, Italien, England, in der Tschechischen und der Slovakischen Republik, in Australien, Österreich, Brasilien bis nach Israel oder Russland haben wir regelmässige Besucher auf horseracing.ch!
Unser SMS-Service mit den Resultaten sämtlicher Schweizer Rennen blitzschnell via SMS aufs Handy erfreut sich zunehmender Beliebtheit wie auch unsere Werbebanner, sämtliche News-Rubriken sowie die äusserst beliebten Renn-Fotos von Ueli Wild und die technisch weiter verbesserten Filme dazu von Barbara König.
Die vielen Zuschriften von aktiven Leserinnen und Lesern motivieren uns ungemein und bereichern unsere Homepage, die von allem Anfang an nach dem Motto "von Leuten aus dem Schweizer Rennsport, für den Schweizer Rennsport" aufgebaut ist.
Wir würden uns jedoch wünschen, dass die neu eingeführte Kommentar-Funktion (welche Lesern die Möglichkeit gibt, ihre Meinung mit Namensangabe direkt unterhalb eines bestimmten Artikels zu publizieren) noch häufiger genutzt würde. Wer etwas wichtiges zu sagen hat, kann auch mit seinem Namen dazu stehen - finden wir jedenfalls.
Wie in den vergangenen Jahren haben viele von uns (grösstenteils als einzigem Medium) aufgegriffene Themen für Diskussions-Stoff (und hinter den Kulissen in diversen Gremiun für die eine oder andere "Lösung" gesorgt). Da und dort kommt unser kompromissloser Journalismus nicht gut an - doch gerade weil wir von keiner Institution finanziell abhängig sind, können wir auf horseracing.ch jene Themen anpacken, welche sonst kaum jemand hierzulande anzupacken getraut. Darauf sind wir stolz.
Wir werden wir auch im 2010 unsere Finger auf wunde Punkte im Schweizer Rennsport legen. Weit lieber berichten wir jedoch über positive Begebenheiten!
Doch werden unsere personellen Ressourcen (zum einen wegen der deutlich grösseren Anzahl Renntage in Avenches und zum zweiten aus persönlichen Gründen) im 2010 an ihre Grenzen gelangen. Wir zählen deshalb auf das Verständnis unserer Leser, dass die Kadenz an News etc. nicht wie bisher aufrecht erhalten werden kann. Aber wir sind überzeugt, Ihnen auch weiterhin viel Interessantes bieten zu können.
Eine neue, hoffentlich spannende, hochstehende und möglichst unfallfreie Saison steht vor der Tür. Die Basis ist gelegt, die Rennvereine arbeiten hart daran, die Preisgelder aufzutreiben. Allen Organisatoren sei an dieser Stelle wie auch allen unermüdlichen Helfern und Funktionären, die stets im Hintergrund einen tollen Job machen, ein herzliches Dankeschön ausgerichtet für die unermüdliche Arbeit gegen all die Windmühlen, die da draussen lauern.
Besonders wichtig wird die Einführung der PMU-Semi-Nocturnes für den Schweizer Rennsport sein. Zunächst wird vor allem der Sektor Trab (mit mehr Rennen, höheren Preisgeldern und TV-Präsenz) direkt profitieren. Dieses Projekt ist jedoch auch für IENA eminent wichtig - und damit für den Schweizer Rennsport als Ganzes. Die Einführung der Internet-Wette auf das PMU-Netz könnte ebenfalls neue Perspektiven eröffnen - je nach Verteilung der daraus resultierenden Rückflüsse.
Enorm wichtig wird die Entwicklung der Situation in Dielsdorf sein. Eine Annäherung zwischen dem Rennverein Zürich und den Verbänden (insbesondere SPV-Präsident Jean-Pierre Kratzer) ist erfolgt. Doch es braucht mehr als das.
Überhaupt braucht es im Schweizer (Galopp-)Rennsport in vielen Bereichen einiges mehr, wenn wir in eine bessere Zukunft steuern wollen. Der allergrösste Teil der Aktiven (und das Publikum ohnehin) interessiert sich nicht für irgendwelche Machtspielchen, sondern möchte lediglich ihren Beruf oder ihr Hobby ausüben. Der gemäss unseren Informationen ausgesprochen enttäuschende Mitglieder-Aufmarsch an der Galopp-GV Anfang Dezember spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache und dürfte zu denken geben.
Der uns (und einem grossen Teil des Publikums) besonders am Herzen liegende Hindernis-Rennsport braucht dringend neue Impulse - letztlich ist eine Gesundung wohl nur durch (finanzielles) Engagement von aussen (respektive innen, sprich aus Besitzer-Kreisen) möglich. Denn weder die Rennvereine noch Galopp Schweiz haben die Mittel, den kriselnden Sektor am Schopf zu packen und aus dem "Sumpf" zu ziehen. Ideen sind gefragt...
Kurzum, es gibt viel zu tun. Doch insbesondere dank dem Trumpf "PMU" ist die Lage nicht hoffnungslos. Und wir dürfen uns auf eine spannende, sportlich hoffentlich hochstehende Saison 2010 freuen.
Ihr Markus Monstein
für das horseracing.ch-Team
horseracing.ch
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