Zwei Tage nach der ersten PMU-Semi-Nocturne gab Jean-Pierre Kratzer in Avenches einige interessante Informationen heraus. Zum einen ging es zunächst um die finanzielle Situation des Institut Equestre National Avenches (IENA). Nachdem sich Kratzer zu Beginn des Jahres 2009 (unter anderem im Exklusiv-Interview auf horseracing.ch) noch sehr vorsichtig geäussert hatte, entwickelte sich die Situation sehr zufriedenstellend. IENA erzielte im 2009 vor Amortisation einen Gewinn von 350'000 Franken. Nach Amortisationen konnten weitere 50'000 Franken Reserve gebildet werden. "IENA hat damit bald 500'000 Franken Reserve", erklärte Jean-Pierre Kratzer mit Stolz.
Seit 2 Jahren, betonte er, seien die Boxen im IENA allesamt besetzt. 235 Pferde sind aktuell dort stationiert - nicht nur Rennpferde, versteht sich.
Wie wir bereits berichtet hatten, war die erste Semi-Nocturne vom Freitag 26.3.2010 ein voller Erfolg. Dass ein solcher überhaupt möglich war, erforderte einen enormen Aufwand hinter den Kulissen. Reglemente (z.B. Laufen ohne Eisen) und Organisationsstrukturen (u.a. Abläufe, Rennleitung etc.) wurden angepasst, grosse Anstrengungen bezüglich TV-Übertragung (Technik, Kommentar etc.) unternommen.
"Insgesamt waren am Freitag 28 Leute im Einsatz, inklusive 4 Kameramänner, 2 Techniker und 1 Regisseur", beschrieb Kratzer die Organisation. Erstmals wurde auch die Funktion eines Renntags-Direktors besetzt, durch JPK persönlich. Ziel sei eine Vereinfachung und dadurch Kosteneinsparungen. Dies sei z.B. im Bereich des Veterinärdienstes gelungen - auch wenn gemäss unseren Informationen z.B. bei der Identifikation der Pferde noch Verbesserungspotential besteht.
Insgesamt verfolgten gemäss Kratzer rund 250'000 Zuschauer via Equidia die Rennen. Dies seien mehr als zu jener Sendezeit auf SF und TSR zusammen. "Dies ist eine enorme Chance für unser Land und unseren Sport. Unsere Aktiven können sich so einem breiten Publikum präsentieren und sich in Frankreich bekannt machen."
Unter dem Strich (inklusive Miteinbezug der Kosten, Nenngelder etc.) brachte die Semi-Nocturne (Wettumsatz 1.285 Mio EUR) mit den 4 Rennen IENA einen Nettogewinn von 50'000 Franken. Ab sofort sollen jeweils 5 statt 4 Rennen ausgetragen werden, insgesamt im 2010 also 95-100 PMU-Semi-Nocturne-Rennen in Avenches, Ziel ist gemäss Kratzer ein Gesamt-Umsatz von rund 20 Millionen (!) Euro.
Erfreut zeigte sich Kratzer auch darüber, dass rund 45'000 Franken allein aus den PMU-Annahmestellen in der Romandie auf die 4 Rennen gewettet wurden.
Was geschieht denn nun mit den 3 Prozent, welche IENA vom Wettumsatz erhält? "Die zusätzlichen Mittel werden zum einen für mehr Rennen und höhere Dotationen verwendet", berichtete Jean-Pierre Kratzer, so wurde z.B. für den 13.April bereits ein zusätzliches PMU-Rennen ausgeschrieben. "Ein halbes Prozent (also ein Sechstel der Einnahmen!) fliessen zudem direkt an die Aktiven zurück. Gemäss einem Verteil-Schlüssel werden Fahrer, Trainer und Besitzer von PMU-Startern am Ende der Saison belohnt, wenn der Umsatz über den angestrebten 20 Mio EUR Umsatz liegt. "Für Besitzer könnte des nach unseren Rechnungen rund 70 CHF pro Start ausmachen, für einen erfolgreichen Fahrer rund 3000 bis 5000 Franken", erklärte Kratzer die Idee.
Eine Aussage, welche für die (Galopp-)Szene einige Auswirkungen haben dürfte, machte Kratzer quasi am Rande. Demnach sollen im Sommer auch die Galopprennen vermehrt an den Freitagen integriert werden (ohne PMU-Anbindung versteht sich!). Am Freitag 7.Mai finde ja ein solcher kombinierter Renntag (Trab PMU und Galopp) statt (dies weil an den Sonntagen 2.Mai und 9. Mai KEINE Rennen in der Schweiz stattfinden, Anm. der Redaktion). Dies sei ein guter Test. Im Sommer sei es ohnehin angenehmer für alle am Abend ("man kann ja bis 21.30/22 Uhr starten") zu laufen als während des Tages, wenn es heiss ist.
Man darf gespannt sein auf die Entwicklungen in Avenches.
horseracing.ch
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