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Jean-Pierre Kratzer zeigt auf, welch grosse Chance die PMU-Rennen für den Schweizer Galopprennsport darstellen

Donnerstag, 20. Januar 2011 23:17

Am gut besuchten Orientierungs-Abend vom 20.1.2011 in Regendorf-Watt sprach Jean-Pierre Kratzer ausführlich über die Entwicklung der PMU-Rennen, die daraus folgenden Änderungen sowie die Aussichten für den hiesigen Galopprennsport.

Rund 100 Leute (angesprochen waren in erster Linie Aktive) nutzten am Donnerstag die Gelegenheit, sich vom SPV-/Suisse Trot-/VRV- und IENA-Chef vor Ort über die kommenden Entwicklungen in Sachen PMU-Rennen orientieren zu lassen.

Jean-Pierre Kratzer informierte detailliert, aber trotzdem verständlich über den Prozess, welcher in Europa bezüglich Pferdewetten im Gang ist, welche Auswirkungen dies auf die Schweizer Rennen hat und stellte klar, dass die PMU-Galopprennen in Avenches schlicht und einfach ein Erfolg werden müssen, gewissermassen zum Erfolg "verdammt" sind.

 

Die Ausgangslage präsentiert sich dergestalt, dass bis vor ein paar Jahren in Frankreich pro Saison noch rund 5000 Rennen im Wett-Angebot der PMU standen. Rund 75 % der Einsätze gingen an die Wetter zurück, 25 % blieben dem Organisator (der PMU) zur Deckung der Unkosten sowie zur Verteilung an Galopp/Trab sowie den französischen Staat. Mit der Öffnung der Märkte für andere Wett-Anbieter habe sich die Situation geändert, so Kratzer. Um mit den Konkurrenten mithalten zu können, welche zum Teil höhere Auszahlungsanteile haben, muss zum einen ebenfalls mehr ausbezahlt werden (80 %) und zum anderen um einen Umsatzrückgang zu vermeiden, müssen mehr Rennen angeboten werden. So sind aktuell im 2011 rund 11'000 Rennen im PMU-Wettangebot. Auf diesem Stand könnte die PMU das Ganze limitieren - und ganz einfach die schlechtesten Ausland-Rennen jeweils eliminieren. "Darum müssen wir ganz einfach die Besten sein, ohne Diskussion", sagt Kratzer unmissverständlich.

 

Avenches hat die Chance geschickt genutzt, bei der Ausweitung der Anzahl Rennen mitzuhelfen - indem so die rund 150 Minuten zwischen Nachmittag- und Abend-Renntag überbrückt werden, so dass die Wetter in den französischen Wett-Cafés bleiben und nicht auf die Idee kommen, nach Hause zu gehen.

 

Um eine Grössenordnung zu bekommen: Die PMU macht rund 10 Milliarden Euro Umsatz - der Staat strich bisher 12 % davon ein, 8 Prozent davon fliesst in den französischen Rennsport zurück.

Total werden gemäss Kratzer im 2011 206 PMU-Renntage (Mini-Réunions) ausserhalb Frankreichs gelaufen. Avenches trägt 32 davon aus und ist damit grösster ausländischer PMU-Partner weltweit.

Als Ziel nannte Jean-Pierre Kratzer ein PMU-Umsatz-Total von 45-50 Mio Euro für Trab und Galopp - aus den Trab-Rennen hatten letztes Jahr 31 Millionen EUR resultiert. Wegen der unterschiedlichen Anzahl Rennen ist ein Vergleich auf Renn-Basis aussagekräftiger: Die Traber erzielten letztes Jahr rund 300'000 EUR pro Rennen, für die Galopper kalkuliert Kratzer vorläufig mit 200'000 EUR.

 

3 Prozent erhält IENA als Veranstalter. Von diesem Geld fliessen rund 80'000-100'000 Franken direkt an die Besitzer zurück, respektive diese müssen von vornherein weniger bezahlen - das Nenngeld für die PMU-Rennen beträgt 1% statt deren 2 wie in den anderen Rennen. Sollte der Umsatz der Galopp-PMU-Rennen am Ende grösser als 15 Millionen EUR sein, gibt es wie für die Traber eine Challenge für Trainer und Reiter, die dann gemäss einem Punktesystem für Spitzenplätze bares Geld kassieren. Ein Sieg dürfte auf diesem Weg z.B. 100 zusätzliche Franken einbringen. Entsprechende Reglemente sollen bis Ende März publiziert werden.

 

Galopp-Gesamtdotation kann dank PMU-Rennen sogar erhöht werden

Die präsentierten Zahlen der Galoppdotationen und der Anzahl Rennen zeigten folgendes Bild: Da es aus den PMU-Wetten (welche von der Westschweiz auf französische Rennen getätigt werden; also der umgekehrte Weg!) für die ADEC, welche die Gelder erhält und an den Rennsport verteilt, wegen des Umsatz-Rückgangs weniger Geld gibt, stehen aus diesem Topf für 2011 "nur" noch 860'000 Franken für Galopp-Dotationen in Avenches zur Verfügung (in den letzten Jahren waren es 900'000, 930'000 respektive 950'000). Hinzu kommen 75'000 Franken aus Galopp-Schweiz-Kreisen (insbesondere durch Anton Kräuliger und Peter Scotton organisiert), was im Total gegenüber 2010 ganze 130'000 Franken weniger ist.

Nur dank den PMU-Rennen können zusätzlich 220'000 Franken an Galopp-Preisgeldern in Avenches generiert werden, womit den Galoppern im Endeffekt 90'000 Franken mehr ausbezahlt wird als im 2010!

 

"Ich bin mir der grossen Verantwortung bewusst, die IENA damit hat für den Schweizer Galopprennsport", erklärte Jean-Pierre Kratzer. Um dies zu unterstreichen erläuterte er, dass im 2010 in Avenches 58% der Galopprennen gelaufen und 56% der Galopp-Dotationen ausgeschüttet wurden - im 2011 werden es sogar 65% der Anzahl Rennen und 63 % der Dotationen sein. "In diesen Zahlen sind die Renntage in Dielsdorf mit drin", erklärte Kratzer, "sollten diese ausfallen, sieht es noch extremer aus."

 

 

Vision PMU Avenches: Rennen nicht für Zuschauer sondern als Wett-Grundlage

Unmissverständlich hielt Kratzer fest, dass die Rennen in Avenches nicht wie auf den traditionellen Deutschweizer Rennplätzen als Zuschauer- und Sponsoren-Event organisiert werden. Er sprach von internationalen Events für internationele Rennen, hauptsächlich als Wettgrundlage. So steht ein Publikum von 100'000 bis 500'000 Zuschauern zur Verfügung. Und die Rennen werden zu Produkten, die international wettbewerbsfähig sein müssen.

 

Genau das ist der springende Punkt. Unsere Rennen müssen interessant sein für die (vornehmlich französischen) Wetter. Gemäss Kratzer ist es für hohe Wettumsätze wichtig, dass alle Pferde eine gleiche Chance haben zu gewinnen. Zudem spielen Wetter gerne auf Rennen, in welchen sie Pferde, Jockeys und Trainer regelmässig sehen. Organisation und Ablauf muss korrekt und fair sein.

 

Galopp Schweiz hat bereits erste Schritte unternommen, um diesen Faktoren möglichst gerecht zu werden. Wir hatten bereits berichtet, dass der Handicapper bereits nach zwei Rennen, in welchem ein Pferd unter seiner Marke läuft, eine Anpassung vornehmen kann.

Insbesondere geht es aber um die Ausschreibungen, die vor allem Pferde von mittlerer bis kleiner Klasse ausgerichtet werden sollen, da es in dieser Kategorie schlicht und einfach am meisten Pferde hat (Anmerkung: Wir hatten schon seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass man doch Ausschreibungen machen soll für die Pferde, die es in der Schweiz hat - und nicht für die, die man gerne hätte).

 

Galopp Schweiz-Geschäftsführer Urs Muntwyler und Handicapper Thomas Peter erläuterten einige der bereits getroffenen Massnahmen in den Ausschreibungen:

 

Zum einen werden die Handicaps innerhalb des Kategorie-Systems zurückgestuft (d.h. ein D wird ein E, ein E wird zum F), dann die klassischen 3jährigen-National-Listed und einige Altersgewichtsrennen um jeweils eine Kategorie. Für die Kategorien E und F gibt es Zulassungsbeschränkungen und z.T. Erlaubnisse.

Keine PMU-Rennen wird es für die Elite-Pferde geben, da es in dieser Kategorie zu wenig Pferde gebe. Dafür gibt es in der ersten Saisonhälfte mehr Kategorie F (11 gegenüber 7) und E (13 gegenüber 8) als im letzten Jahr. Natürlich täuschen diese Zahlen etwas, da ja die Kategorien zum Teil zurückgestuft wurden.

Wichtig ist, dass nun von den Trainern für sämtliche Rennen der Saison 2010 überprüft werden muss, ob eine Änderung der Kategorie vorgenommen wurde - sobald dies dann publiziert ist. Für Gewichtsberechung/Zulassung für die Schneerennen gelten auf jeden Fall noch die Kategorien in den Original-Ausschreibungen von 2010.

 

Renntagsdirektor, Reglementsanpassungen

Um die rund zweieinhalb Stunden Live-Übertragung auf Equidia überhaupt organisatorisch hinzubekommen, sind einige Änderungen nötig. Es gibt zum Beispiel neu das Amt eines Renntags-Direktoren, bei dem alle Fäden zusammenlaufen - er (und das ist JPK höchstpersönlich) koordiniert Bild-/Tonregie, Rennleitung, Speaker, Equidia-Regie, PMU, Sekretariat, Veterinärdienst, Sanität und informiert die Aktiven laufend über Lautsprecher über den Stand der Dinge (Verspätungen etc.).

Dies bedingt gewisse Reglementsänderungen bei Galopp Schweiz. So müssen z.B. alle Pferde, die an einem PMU-Rennen teilnehmen zwingend einen Mikrochip implantiert haben.

 

15 Minuten vor dem Rennen müssen die Pferde im Führring sein. Dieser wird neu nicht mehr am alten Ort sein, sondern unmittelbar vor dem Waageraum - also dort, wo bis vor kurzem noch abgesattelt wurde. 8 Minuten vor dem Start (nicht unbedingt der im Programm angegebenen Startzeit, sondern der vom Renntagsdirektor kommunizierten Zeit!) müssen die Pferde auf der Bahn sein. Hier die zweite wichtige Neuerung: Die Pferde gehen direkt vom neuen Führring auf die Bahn, also rund 50 Meter nach dem Ziel. Dort ist neu auch der Wegübergang, nicht mehr nach etwa einem Drittel der Einlaufgerade.

Ein Pferd wird noch maximal 2 Minuten Zeit haben, um die Startboxe zu betreten. Geht es in dieser Zeitspanne nicht hinein, führt sich ungebärdig oder gefährlich auf, wird es vom Start ausgeschlossen und kommt auf die Liste der startschwierigen Pferde - und solange sich ein Pferd auf jener Liste befindet, ist es in PMU-Rennen nicht startberechtigt (!).

Neu wird das "Nichtwahrnehmens der Chance" härter sanktioniert - zum Schutz der Wetter (auch das hatten wir x-fach gefordert; aber eine so grosse Lobby haben die hiesigen Wetter logischerweise nicht).

 

"Das sind wichtige Änderungen für die Aktiven, aber ich bin sicher, dass wir das gemeinsam schaffen", gab sich Kratzer optimistisch. Und Anton Kräuliger ergänzte, die PMU-Rennen seien vor allem die Chance, mehr Geld zu generieren. Er appellierte an alle, mitzuhelfen noch vorhandene Lücken in den Ausschreibungen zu schliessen. So fehlt zum Beispiel noch das eine oder andere Sprint-Rennen (weil in Avenches keine Rennen auf Extrem-Distanzen unter dem Label PMU gelaufen werden, eben weil es in diesen Kategorien wenig Pferde hat).

 

 

JPK: Sorge um Dielsdorf und Unterstützung für Martin Gloor

Am Ende der Veranstaltung informierte Jean-Pierre Kratzer im Namen des SPV-Vorstandes über die Situation in Dielsdorf. "Wir sind besorgt über die Entwicklung im Rennverein Zürich", erklärte Kratzer. Er habe genug von der Art und Weise, wie von den Dirigenten des RVZ kommuniziert werde. Der RVZ habe bis Ende Januar eine neue Frist gesetzt bekommen. Bis dann wolle der SPV wissen, wer nun Veranstalter der Rennen im 2011 sei, wie es mit den Finanzen bestellt sei etc.

 

Zum Projekt von Martin Gloor sei er häufig angesprochen worden. "Das Problem ist nicht Martin Gloor, das Problem ist der RVZ", erklärte Kratzer, "der SPV führt enge Kontakte mit Martin Gloor. Und wenn er seine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt hat und unsere Unterstützung braucht, werden wir alles tun, ihm bei diesem Projekt zu helfen."

 

 



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