Miro Weiss hat wie am zweiten Aroser Sonntag mit einem Schnee-Debütanten zugeschlagen: Mascarpone setzte sich beim Stelldichein der GP-Kandidaten in überlegener Manier in Szene.

Überlegener Sieg von Mascarpone (Robert Havlin) vor Pont des Arts (rechts, nicht im Bild). (Foto: Ueli Wild)
Stahlblauer Himmel, die berühmte St.Moritzer Sonne, angenehme Tempe-raturen und die traumhafte Bergkulisse - zum White Turf Auftakt kamen rund 11'000 Zuschauer in den Genuss eines Bilderbuch-Renntags auf dem zugefrorenen St.Moritzersee. Die Organisati-ons-Crew rund um den neuen White Turf-Präsidenten Silvio Staub war hoch zufrieden mit dem ersten von drei Renntagen des hochkarätigen Mee-tings. Der Wettumsatz belief sich auf gute 92'396 Franken, rund 8500 Fran-ken höher als im Vorjahr.
Im GP Guardaval Immobilien liefen 11 Pferde, deren Besitzer und Trainer alle-samt auf den Grossen Preis von St.Moritz, das in zwei Wochen stattfindende, mit 121'121 Franken höchstdotierte Flachrennen der Schweizer Sai-son 2011 zielen. Wie stark das Feld besetzt war, zeigt die Tatsache, dass der überzeugende Vorjahrssieger Win-terwind trotz wiederum gutem Laufen nur auf Rang vier kam. Mit einer unwiderstehlichen letzten halben Runde liess Mascarpone im Besitz des Engadiner Stalles Corviglia seinen Gegnern nicht den Hauch einer Siegchance. Der von Champion-Trainer Miro Weiss in Urdorf vorbereitete siebenjährige Hengst lief erstmals überhaupt auf Schnee - umso beeindruckender seine Vorstellung, von der sich auch sein Jockey, der Ire Robert Havlin, sehr angetan zeigte.
Die Freude bei den Vertretern des Stal-les Corviglia war entsprechend gross: "Eigentlich war die Bahn ja hart und somit zu schnell für Mascarpone. Wir hätten nie an einen Sieg gedacht. Hier in der Heimat zu gewinnen ist wunderschön."
Pont des Arts folgte vier Längen dahinter auf Rang zwei vor seinem Trai-ningsgefährten Wassiljew.
Bis in zwei Wochen können sich die Kräfteverhältnisse Nachhaltig ändern, wie die Geschichte des GP St.Moritz mehrfach gezeigt hat. Doch diesen Mascarpone, der bei seinem 30. Start den 10. Sieg erzielte und nun bei einer Gewinnsumme von fast 170'000 Franken angelangt ist, muss erst einmal einer schlagen.
(Notabene: Auf horseracing-data.ch war Mascarpone in den Wett-Tipps als Sieger aufgeführt. "spekulativ", wie dort zu lesen war. Doch der Tipper hatte da so eine Vorahnung...)
Nachdem der Stall Allegra in den letzten Jahren stets mit viel Erfolg auf Schnee agierte, war gestern der Sprinter Rushing Dasher der einzige Starter die Besitzergemeinschaft mit Bündner Wurzeln. "Wenn er Vierter wird, bin ich total happy", lautete die Einschätzung seiner Trainerin Natalie Friberg vor dem Rennen. Es kam besser, viel besser. Rushing Dasher startete wie aus der Kanone geschossen, lag sofort an zweiter Stelle und übernahm im letzten Bogen die Spitze. So sehr die Favoriten auch angriffen, Rushing Dasher legte bis ins Ziel immer wieder zu und gewann sicher mit einer halben Länge Vorsprung vor den Gästen Freeforaday (England) und Sacho (Deutschland).
"Wahnsinn, das hat Rushing Dasher so sehr verdient. Dabei dachten wir, er sei noch nicht ganz top, weil wir nach der Verschiebung der Aroser Rennen auf einen Aufbaustart verzichten mussten", freute sich Natalie Friberg im Sattel des neunjährigen Fuchswallachs. Für Rushing Dasher war es beim 10. Start in St.Moritz der 5. Sieg, nie kam er ohne Geldgewinn nach Hause.
Im Skikjöring, der vom Publikum mit grösster Spannung erwarteten St.Moritzer Weltexklusivität, waren die Schweizer Fahrer erstmals seit langem wieder unter sich. Ohne die in den letzten Jahren teils mehrfach vertretenen deutschen Konkurrenten, lautete das Motto nun wieder: Die Engadiner - sieben Männer und eine Frau - gegen den Unterländer Köbi Broger. Obwohl zahlenmässig deutlich in der Überzahl, mussten sich die Einheimischen einmal mehr von Broger in die Schranken wei-sen lassen. Mit King George liess Broger seine Gegner zunächst gewähren, griff dann nach mehrfach bewährtem Muster in der letzten Runde an und liess dem aus Frankreich angereisten Gallardo (mit Titelverteidiger Leo Luminati) keine Chance.
Für den ehemaligen Amateur-Rennreiter Broger war dies beim 42. Skikjöring-Start der 22. Sieg, für King George beim 9. Start der 8. Volltreffer. Zahlen, die Bände sprechen.
Und doch ist im Kampf um den Titel des "Königs des Engadin", den der designierte neue Galopp-Dachverbands-Präsident Broger schon zehn Mal ge-wonnen hat, noch lange keine Vorent-scheidung gefallen. Zu vieles kann im Skikjöring passieren.
Im Meilenrennen mit ebenfalls einigen GP-Kandidaten wurde Northern Glory, der letztes Jahr auf Gruppe-I-Ebene hervorragender vierter geworden war, seiner Favoritenrolle gerecht. Unter Karoly Kerekes verwies der Schützling von Wolfgang Figge den Aroser Sieger Schützenjunker, der seine Haut teuer verkaufte, auf den Ehrenplatz. Saphir Béré kam von weit hinten noch auf den dritten Platz. Northern Glory bleibt nicht in St.Moritz, wie Trainer Wolfgang Figge erklärte, sondern geht zurück nach München, von wo er für den GP St.Moritz dann wieder anreisen wird. "Ich möchte nicht dass er ins Klima kommt", so Figge.
Bei den Trabern setzten sich zwei in Avenches trainierte Pferde durch - wohl erstmals überhaupt in der Geschichte der Schnee-Trabrennen, die sonst so oft von den Schnee-Ställen dominiert worden waren.
Im Elite-Rennen zirkelte Renaud Pujol Quatuor du Martza im letzten Bogen innen am nachlassenden Italiener Last Minut di No vorbei, während Laurence Kindler mit Maître de la Piste aussen herum ging. Von seinem Vorsprung zehrte Quatuor du Martza schliesslich bis ins Ziel und hielt den 25 Meter hinter ihm gestarteten Maître de la Piste schliesslich leicht in Schach. Am dritten Sonntag werden dann beide vom Mal aus starten...
Das kleine Trabrennen wurde eine sichere Beute von Jean-Bernard Matthey mit seinem Ramuntcho Fleuri, der das Rennen Start-Ziel kontrollierte und den Arosa-Sieger Quasir de Bussy auf den Ehrenplatz verwies.
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