Es gab in den letzten 20 Jahren mit Sicherheit brisantere Generalversammlungen von Suisse Trot als die Ausgabe 2011, soviel steht fest. In seinem Jahresbericht konnte sich Jean-Pierre Kratzer damit begnügen, eine einzige Seite zu füllen. "Suisse Trot und seine Mitglieder erleben vermutlich die schönesten Jahre des Trabrennsports in der Schweiz", hiess der erste Satz im Jahresbericht, und er gibt die Situation gut wieder. Es sei ein echtes Privileg für einen Präsidenten, ein Jahr in einem einzigen Satz zusammen fassen zu können, meinte Kratzer. Dadurch müsse er weder Statistiken in Erinnerung rufen, noch das Handeln des Vorstandes rechtfertigen. "Denn es ist ohnehin klar, dass diese Saison als Wende im heimischen Trabrennsport in die Geschichte eingehen wird."
Kratzer betonte fünf Prinzipien, die es Suisse Trot erlauben, vorwärts zu gehen: Vertrauen (der Mitglieder auf dem Weg der PMU-Rennen), Respekt, Toleranz, Freundschaft und Solidarität. Er mahnte zwar, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen. Es gelte nun, die Strukturen und Aktivitäten unseres Sports auf Dauer zu sichern, mit einer gewissen Offenheit und im Sinne einer gemeinsamen Schweizer Turfwelt.
Für 2011 wartet ein Rekord-Programm von 126 PHH-Rennen ("Paris hors hippodrome", also ausserhalb des Rennplatzes - die neue Bezeichnung der "PMU-Rennen" gefällt JPK auch nicht sonderlich gut...) auf möglichst viele Starter und hoffentlich hohe Wett-Umsätze.
Inzwischen finden gemäss Jean-Pierre Kratzer mehr als 70 Prozent der Schweizer Trabrennen in Avenches statt, bei den Galoppern sind es rund 55%.
Grosser Höhepunkt der Saison 2011 ist der Grand Prix de l'U.E.T. am 9. Oktober 2011 in Avenches, wo die besten vierjährigen Traber Europas um sage und schreibe 350'000 EUR (also rund 500'000 Franken) laufen werden!
Die für den Schweizer Rennsport wichtigste Mitteilung folgte unter Varia, als JPK verkündete, dass der Vertrag des SPV mit der PMU und LORO (Lotterie Romande) in Kürze für eine dritte Tranche unterzeichnet wird. "Wiederum für 10 Jahre, nun das dritte Mal", so Kratzer, "den vierten Vertrag mache dann nicht mehr ich..."
Das Abkommen sichert die Einnahmen aus dem PMU-Umsätzen in der Westschweiz, welche jeden Tag in den PMU-Annahmestellen in der Romandie mit Wetten auf französische Rennen generiert werden.
Bezüglich Zürich erklärte JPK: "Martin Gloor, der neue Präsident, hat viele Ideen. Es muss ganz einfach etwas passieren in Zürich. Ob etwas ganz grosses oder etwas weniger grosses spielt keine Rolle. Aber es muss jetzt unbedingt etwas in Gang kommen."
Möglicherweise erhalte der Rennverein Zürich die Lizenz für den Frühlingsrenntag mit der Auflage, die Dotationen im Voraus an die Aktivverbände zahlen zu müssen. Das wäre ein Novum im Schweizer Rennsport, doch wohl ein gangbarer Weg.
"Seit vier Jahren sagen wir, dass es ein Finanz-Problem gibt. Eine Sanierung wäre kein Problem, aber bei einer echten Sanierung verlieren die Gläubiger einen Teil ihrer Forderungen.
Kratzer ging ausführlich auf die Probleme des Rennsports im allgemeinen ein. Die Kernfrage sei diejenige nach den grössten Risiken in unserem Sport. Und das Hauptrisiko sei die Reputation, das Image des Rennsports in der Öffentlichkeit. Dann die Finanzen und das "Risiko Mensch".
Betreffend Image nannte er als Beispiele einen gravierenden Doping-Skandal, die damalige Geschichte mit dem "Zunge Anbinden" oder z.b. einen Geldwäscherei-Fall - solches könne den Rennsport stark erschüttern und hätte letztlich auch finanzielle Konsequenzen.
"Wir dürfen keine Plattform bieten für Leute, die solche Dinge tun", mahnte Kratzer, "in den nächsten drei bis sechs Monaten werden wir noch strengere Regeln und Strukturen einführen." Streng genommen seien die Verbände als Finanz-Intermediäre (ähnlich wie Banken) zu betrachten, die u.a. logischerweise auch unter das Geldwäscherei-Gesetz fallen. Für Galopp und Trab in der Schweiz würden mehr als 1000 Konti (Insbesondere Besitzer, aber auch Trainer, Reiter, Fahrer...) geführt.
Der Trab ist sich dieser Problematik bewusst, die Galopper bisher noch nicht so ganz. "Ziel ist es, diese Kompetenz an den SPV zu delegieren." In der Folge sollen die erwähnten Konti gemäss JPK in eine professionelle Struktur outgesourced werden. Auch IENA will JPK in den nächsten Monaten reorganisieren und professionellere Strukturen implementieren. Nicht zuletzt sich selbst als Risiko gelte es zu minimieren. "Wenn ich morgen plötzlich nicht mehr da bin, würde der Rennsport natürlich weiter gehen. Aber vielleicht nicht mehr genau gleich", meinte JPK zu diesem Thema.
Eines der Risiken des Rennsports sei auch das Management einer Rennbahn/eines Rennvereins. "Wir können nicht riskieren, dass das Verhalten eines Rennvereins in der Presse für negative Resonanz sorgt. Deshalb haben wir vor rund 8 Jahren den Lizenzprozess eingeführt." Es gehe darin vor allem darum sicherzustellen, ob die ausgelobten Preisgelder überhaupt vorhanden seien sowie um eine Überprüfung der Leute im Vorstand sowie die Kontrolle von Bilanz/Erfolgsrechnung. "Ein Rennverein muss eine Buchhaltung vorweisen können, die minimalen Anforderungen genügt", erklärte JPK in Anspielung auf den RVZ.
Bezüglich des Risikos "Doping" werden in den nächsten Monaten die Reglemente angepasst, so dass auch die lange schon diskutierten Trainings-Kontrollen (jederzeit bei jedem Pferd in der Schweiz möglich) Tatsache werden.
Erstaunlich deutliche Worte benutzte Kratzer in Sachen "swissturf". "Der VRV wünscht eine bessere Qualität und einen besseren Service. Die Wochenrenntage müssen besser abgedeckt werden. Die Zeit einer nur einsprachigen Zeitung, die nur einmal pro Woche erscheint ist vorbei."
Die mit a
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