
Hitchcock-Finale in den 2000 Guineas: Mi Amor (2 aussen) schlägt Oratorio Latin (6). (Foto: Ueli Wild)
Der Inländer Mi Amor, der aus Frankreich über zehn Stunden in seine alte Heimat gereist war, gewinnt als erster Wallach die Swiss 2000 Guineas.
Rund 8300 Zuschauer wollten den Dielsdorfer Frühlingsrenntag, 8.Mai 2011, vor Ort miterleben. Sie sahen eine renovierte, herausgeputzte Rennbahn und hervorragenden Sport. Nur mit Wetten haperte es ein wenig - 112'000 Franken Umsatz bei 11 Rennen ist nicht hit-verdächtig. Am dritten St.Moritzer wurde diese Zahl dieses Jahr mit nur gerade 6 Rennen erreicht. Nun gut, es darf ja Verbesserungspotential geben.
Im Hauptereignis des Tages, den Swiss 2000 Guineas, die kurzfristig von 20'000 Franken auf 40'000 Franken aufdotiert worden waren, galt Mi Amor als Favorit. Der einzige Inländer im Feld kam paradoxerweise aus Frankreich angereist. Und er war erst noch der einzige Wallach im Feld, war wegen Hodenproblemen kastriert worden. Bis vor ein paar Jahren hätte er ohne seine Kronjuwelen gar nicht laufen dürfen in diesem Klassiker - denn in Zuchtrennen waren, dem Sinn des Rennens entsprechend, nur Pferde mit theoretischer Zuchtmöglichkeit (also Stuten und Hengste) zugelassen. Diese Regelung wurde dann aber für die 2000 Guineas und im St.Leger fallen gelassen, weil das Kriterium der Zuchtselektion in den klassischen Rennen hierzulande definitiv eine untergeordnete Rolle spielt. Insbesondere für Hengste - denn gute Deckhengste gibt es haufenweise, da hat kaum jemand auf einen aus der Schweiz gewartet.
Ausnahmen bestätigen die Regel: So hat nun eben dieser Mi Amor für einen Vater Feliciano Ehre eingelegt - und er machte es gar besser als er. Am 27.4.1997 hatte Feliciano in den 2000 Guineas unter Brigitte Renk nämlich um einen kurzen Kopf den Kürzeren gezogen gegen seinen Trainingsgefährten Le Chevalier (Philippe Coppin), der im Gegensatz zu ihm zuvor in der Saison bereits einen Aufgalopp gehabt hatte.
Bis der Sieg von Mi Amor feststand mussten die Favoriten-Wetter allerdings den einen oder anderen Moment bangen. Maxime Guyon machte es ausgesprochen spannend, schaffte es aber im letzten Moment, an Oratorio Latino vorbeizuziehen. Rang drei belegte der lange führende Auenprince mit einem glänzend disponierten Dominique Boeuf, nur unwesentlich dahinter verpasste Septentrion einen Totorang knapp.
Mi Amor wandelt mit diesem Sieg in den Hufspuren von so starken Pferden wie Maintop, Setareh, Pont des Arts, Majofils oder Glavalcour, um nur ein paar aufzuzählen. Nur Majofils ist es gelungen später das Derby zu gewinnen. Und auch Mi Amor wird es nicht gelingen, dort erneut das Werk seines Vaters zu vollenden - Feliciano bezog dort eine unglückliche Niederlage nach Behinderung gegen Kaldoun Choice. Mi Amor seinerseits kann im Swiss Derby nicht laufen - eben weil er Wallach ist. Denn dort gilt die Regelung mit den Hengsten und Stuten...
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