Im Rennkalender Nummer 31, der am 3.August 2011 erschienen ist, steht ein einziger Satz unter dem Titel Lizenzerteilung zur Durchführung des Renntages an den Rennverein Zürich: "Anlässlich der Vorstandssitzung vom 28.Juli 2011 hat der Vorstand SPV dem Rennverein Zürich die Lizenz zur Durchführung des Renntages vom 21. August 2011 erteilt".
Mehr als der Satz gab und gibt in der Szene jedoch die Tatsache zu diskutieren, dass die Renntage vom 25.September (Jockey Club) und eine Woche später am 2.Oktober (Kids' Day) offensichtlich noch nicht mit einer SPV-Lizenz versehen worden sind. Was spielt sich hier hinter den Kulissen ab? Wir haben die beiden Präsidenten kontaktiert und versucht, genau dies herauszufinden.
Jean-Pierre Kratzer erklärte kurz vor einem Flug in die USA, wo er an einer internationalen Trab-Konferenz als Präsident des europäischen Dachverbandes UET diese Woche weilt, die Sicht des SPV.
"Der Vorstand SPV hat viel Arbeit geleistet, um dieses Dossier zu bearbeiten und die Situation detailliert zu analysieren. Wichtig ist, dass die Leute uns vertrauen. Wir wollen niemanden ärgern, sondern machen ganz einfach nur unsere Arbeit. Zum Schutz und im Interesse der Aktiven. Es geht uns darum, die Risiken zu beurteilen, nicht nur die finanziellen sondern auch die strategischen", so JPK, der mit seinen Vorstandskollegen eigens nach Zürich gereist war, um Martin Gloor zu treffen.
"Es ist auch für uns sehr wichtig, dass es im August Rennen gibt in Zürich", hält Kratzer fest und betonte, dass es im RVZ eine grössere Transparenz brauche als in den letzten Monaten. "Wir haben Herrn Gloor, der bei unseren Treffen übrigens stets ohne Begleitung von Vorstandsmitgliedern war, dazu eingeladen den Vorstand und die Mitglieder des RVZ besser zu informieren. Der RVZ muss korrekt funktionieren, wie ein normaler Verein."
Die Konklusion aus seiner Analyse hat der Vorstand SPV in einem Brief an den Gesamt-Vorstand des RVZ erläutert.
Über die Bedingungen, respektive Verhandlungen bezüglich der Lizenzerteilung für die beiden Herbstrenntage äusserte sich Kratzer nicht. Der Vorstand SPV mache seine Arbeit und werde zu gegebener Zeit informieren.
Martin Gloor seinerseits gab sich durchwegs positiv. Dass erst die August-Lizenz erteilt worden ist, wollte er nicht kommentieren. "Das sind laufende Verhandlungen, darüber spreche ich nicht, so halte ich es auch im Business. Ich bin überzeugt, dass wir die Lizenzen für die beiden anderen Renntage erhalten werden."
Auch über die vom SPV festgelegten Auflagen (es gilt u.a. als gesichert, dass der RVZ wie schon im Frühling sämtliche Preisgelder im Voraus an die Dachverbände überweisen muss, weil diese nicht Gläubiger des RVZ sein wollen) äusserte sich Gloor nur wie folgt: "Das ist alles im Rahmen, auf Details möchte ich nicht eingehen."
Angesprochen auf die Sponsoring-Situation für die Renntage vom Herbst, insbesondere den Kids' Day, erklärte Gloor: "Alles sieht positiv aus. Jetzt hoffen wir einfach, dass an den Renntagen dann die Sonne scheint."
Am kommenden Montag, 8.August 2011, trifft sich der Vorstand des RVZ zu seiner erst zweiten Sitzung seit der überraschenden Wahl von Martin Gloor zum RVZ-Präsidenten. Die Sitzung dürfte durchaus brisant werden, haben die Vorstandsmitglieder doch nun mit dem SPV-Brief einige Punkte aufgezeigt bekommen, die bisher nicht oder zumindest nicht allen bewusst gewesen waren.
Neben Martin Gloor und Vize-Präsident Hans-Peter Ess, der zugleich auch Finanzchef ist, sind es nach der Kündigung von Geschäftsführer Marcel Scherrer (hat am 12.August seinen letzten Arbeitstag und wird somit am August-Renntag nicht mehr vor Ort sein) nur noch 5 Vorstands-Mitglieder. Gemäss RVZ-Statuten hat sich der Vorstand wie folgt zusammenzusetzen: "Präsident, 1 bis 2 Vizepräsidenten, Aktuar, Finanzchef und 5 bis 12 weitere Mitglieder." Nun sind es 7, nach unserer Interpretation mindestens ein Mitglied zu wenig. Doch das ist aktuell kaum das grösste Problem.
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