
Nayfashion (Toni Castanheira) gewinnt das Stuten-Derby in Dielsdorf souverän. (Foto: Christian Mettler).
Bei grosser Hitze hat sich Nayfashion im mit 50'000 Franken dotierten Stuten-Derby nicht zweimal bitten lassen und die 1000-Guineas-Siegerin Pasalsa sowie die Favoritin Madhulika locker geschlagen.
Rund 6300 Zuschauer zählten die RVZ-Verantwortlichen an einem ausgesprochen heissen Sommer-Renntag, am 21.August 2011, auf der Parkrennbahn Dielsdorf. Der Wett-Umsatz von 67'237 Franken war den Umständen entsprechend in Ordnung, bei sieben Rennen und zwei langen Pausen (Mittag und Hut-Modeschau). Ein Wermutstropfen war die Tatsache, dass keine Dreierwette in Reihenfolge (Trifecta) gespielt werden konnte, sondern nur in beliebiger Reihenfolge (Trio). Dies wurde zudem erst nach dem zweiten Rennen bemerkt und konnte dann gegenüber den Wettern auch kommuniziert werden. Wie Peter Hofer von der Firma Visag erklärte, handelte es sich dabei um einen Fehler aus Paris, wo die Wett-Arten für die Schweizer Rennen jeweils programmiert werden. Diese Wett-Arten werden gemäss Hofer dann nach Avenches geschickt, wo sie kontrolliert werden sollten. Offenbar war dies im Fall der Dielsdorfer Rennen nicht sorgfältig genug gemacht worden. Schade, denn die Dreierwett-Quoten waren somit natürlich im Keller - es war ja schliesslich 6 Mal einfacher zum Wetten, d.h. es gab in jedem Rennen gemäss Kombinatorik sechs Mal weniger Möglichkeiten an Dreierwetten.
Die neue Crew hatte sich sichtlich Mühe gegeben, den Zuschauern und Aktiven eine schöne Rennbahn zu präsentieren. Die Grasbahn, für die neben dem bisherigen RVZ-Angestellten Pedro Hudek neu die in der Turf-Szene bestens bekannten Brüder Ernst und René Stadelmann verantwortlich sind, präsentierte sich in gutem, schnellem Zustand - ein Umstand, dem schliesslich auch die Rekord-Zeit im Stutenderby zu verdanken war.
Auch ansonsten hatten sich die Organisatoren einige begrüssenswerte Verbesserungen einfallen lassen. So gab es zum Beispiel viele Sitzgelegenheiten, auch rund um den Führring. Die Alabamba Jazz Band stiess ebenfalls auf Anklang, während die Hut-Modeschau auf geteilte Meinungen stiess. Eingefleischte Turfisten nervten sich über die beiden langen Pausen, gingen zum Teil früher, kamen später oder eben gar nicht.
Für ein nächstes Mal sei der Wunsch angebracht, dass die Organisatoren bei einem Sonnenschirm-Hersteller eine Grossbestellung machen - denn viele Sitzplätze waren in der brütenden Hitze schlicht unbrauchbar.
Interessant, respektive bedenklich stimmt die Tatsache, dass das VIP-Zelt, wo gewöhnlich die Gäste der Sponsoren verpflegt werden, gar nicht geöffnet war (mangels Gästen).
Im Vorfeld des zum 28.Mal ausgetragenen Stuten-Derbys stand ein Name nahezu uneingeschränkt im Mittelpunkt: Madhulika, die zuvor drei Rennen in Serie gewonnen hatte. Doch bekanntlich ist ein Rennen nie zum Voraus gelaufen. Die von Rémy Mongil trainierte Stute erhielt in Azarra eine Pacemakerin zur Seite gestellt, die schon früh vor der 1.80:1-Favoritin in sehr gutem Tempo die Spitze übernahm. Dahinter positionierte sich Toni Castanheira in aller Ruhe mit Nayfashion, die sträflich unterschätzt worden war von den Wettern, teils auch von den Journalisten. In der Zielgeraden übernahm Madhulika dann zwar die Spitze, hatte dem Angriff der von Karin Suter-Weber für die nicht mit ihr verwandte Maya Suter trainierten Nayfashion jedoch nichts entgegenzusetzen. Pasalsa machte an Madhulika vorbei am Ende Meter um Meter gut, doch Nayfashion war bereits in Sicherheit, ohne dass ihr Jockey ihr die letzten Reserven hätte entlocken müssen.
Eine Überraschungssiegerin, wenn man die Siegquote von 19.70:1 (Platz 2.80) anschaut? Mit Nichten! Schon in den Oaks, dem letzten Rennen vor dem Stutenderby, hatte Nayfashion als Dritte nur eine Länge hinter Madhulika (einen Kopf hinter My Mary) eine sehr gute Leistung gezeigt. Sicher musste Madhulika dort nicht voll ausgeritten werden und Nayfashion trug 2 Kilo weniger - doch die Jockeyship von Toni Castanheira, der in Frankreich inzwischen als Trainer und nicht mehr als Jockey aktiv ist, machte nun den Unterschied aus.
(Notabene: In den Wett-Tipps auf horseracing.ch und im Wett-Kommentar von horseracing-data.ch hatten wir Nayfashion als erste Herausfordererin von Madhulika positioniert - und schöne Wett-Gewinne damit einfahren können...)
Der Sprint war mit einer Dotation von 20'000 Franken das Rennen mit der zweithöchsten Dotation. Nach zwei beeindruckenden Siegen galt Shuffle Champ als der logische Favorit. Doch der aus Deutschland angereiste Primo Vero zeigte mit Georg Bocskai im Sattel, dass ein solides Ausgleich-II-Pferd ausreicht, um unsere Sprint-Elite in Verlegenheit zu bringen. Der Areion-Sohn aus dem Quartier von Conny Brandstätter liess dem ein Kilo weniger tragenden Shuffle Champ keine Chance, Sirena hielt dahinter hauchdünn den dritten Platz vor Hounded.
Einen denkwürdigen Tag erlebte Claudia Koller. Als sie am Morgen aufwachte, hatte sie möglicherweise von einem Spitzenresultat mit Prince du Chevrel geträumt. Doch es kam weit besser. Weil Roman Giller sich mit Rückenproblemen für den Ritt mit der erstmals in der Schweiz laufenden Schimmelstute Domcy abgemeldet hatte und kein anderer Hindernis-Reiter so kurzfristig verfügbar war, rief Trainerin und Besitzerin Claudia Schorno in ihrer Not ihre Kollegin Claudia Koller an, für die Schorno selbst seinerzeit in Luzern ihren ersten Einsatz im Rennsattel absolviert hatte. Claudia Koller liess sich im Hürdenrennen nicht zweimal bitten, hielt sich aus dem Positionskämpfen an der Spitze raus, griff in der letzten Gegenseite an und gewann mit der bis dato sieglosen Domcy überlegen vor den über Hindernisse sehr gut debütierenden Zirkel und Sabander Bleue.
Es kam noch besser für Claudia Koller. Im Trab-GP, welchen die meisten der 10 Starter als Vorbereitung für die Meisterschaft der Traber vom 4.September 2011 in Aarau nutzen, hatte sie zwar mit Prince du Chevrel keinen glatten Rennverlauf, musste sich im letzten Bogen an zweitletzte Stelle zurückfallen lassen, um von dort neu Schwung zu holen. In der Zielgerade zog der mit 8 Jahren Jüngste im Feld jedoch immer wieder an, um den Schnee-König Maitre de la Piste und Napoléon de Bussy bis ins Ziel knapp in Schach zu halten. Für den letztes Jahr vom Stall Allegra Racing Club erworbenen Klasse-Traber war dies nach grösseren Magen-Problemen der erste Volltreffer in der Schweiz, der 11. insgesamt in seiner Karriere.
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