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Ein Pferdemann erster Güte - Nachruf auf den vielseitigen Richard Kläy

Mittwoch, 31. August 2011 20:51

Aus der berufenen Feder von Hanspeter Meier publizieren wir folgende Würdigung des kürzlich verstorbenen Richard Kläy und sein Werk.

 

Mit dem Hinschied von Richard Kläy im August dieses Jahres ging nicht nur ein aussergewöhnlicher Mensch von uns sondern auch eine Persönlichkeit, die eine lange und bedeutende Epoche des Schweizerischen Pferdewesens verkörperte. In unseren Kreisen kannte man Rich natürlich in erster Linie als Züchter und Starter, aber seine unvergleichliche Reputation als Pferdemann gründete in erster Linie darauf, dass er ein Allrounder von seltenem Kaliber war. Bekanntlich konnte er sich noch in den letzten zwei drei Jahren an grossen Erfolgen des im Familienbesitz stehenden Swordlestownlittle Stud vor allem mit den Pferden Lilbourne Lad, Third Intention, Bahceli und Bobbyscot in England und Irland erfreuen.

Ebenso grosse Anerkennung fand er Zeit seines Lebens aber auch in allen möglichen anderen Bereichen von Pferdesport und -zucht. Seine grosse Bescheidenheit und seine Diskretion verbaten ihm zwar ein grosses Auftreten in der Öffentlichkeit, aber in der Pferdewelt genoss er überall hohe Wertschätzung. Jedenfalls erinnere ich mich gerne an die Feier für seinen 80. Geburtstag, zu welcher sich u.a. Henri Chammartin einfand, der sich allerdings nicht sicher war "ob ihn Richard wohl noch kennen würde". Der Olympiasieger musste sich dies allerdings nicht lange fragen, weil der gegenseitige Respekt bezüglich ihres Pferdeverstandes und Können der beiden Koryphäen überaus gross war. Uns Rennleute kann dies besonders freuen, weil sich der Dressurreiter Chammartin bei seiner Arbeit auf der kleinen Allmend ja manchmal wegen der ebenfalls dort trainierenden damaligen Berner Rennreiter echauffierte – Leute übrigens, die mit Rich ebenfalls zeitlebens befreundet waren und auch heute noch dem Rennsport treu sind, einerseits als Besitzerin, anderseits als Starthelfer.


Doch warum erfasst uns Pferdeleute bei der Erinnerung an Richard Kläy derart grosse Trauer ? Einfach darum, weil man mit ihm über alles sprechen und sich auch über viel schöne Erlebnisse und Erfolge freuen konnte, welche die Frucht eines Lebens waren, das voll und ganz im Dienst des Pferdes stand. Als Bauer aus dem Bernbiet fand er natürlich schon als Kavallerie-Rekrut zum Pferd und mit seinem Eidgenoss Würgler erzielte er grosse Erfolge bei Militärrennen und wurde 1950 Champion der Militärrennreiter. Mit Judika wurde er 1958-60 Sieger als Springreiter in den Championaten für Unteroffiziere des ZKV und mit ihr bestritt er erfolgreich auch Vielseitigkeitsprüfungen. Sein Flair für leistungsbereite Pferde war schon von allem Anfang an offensichtlich und er zeichnete sich auch im Umgang mit Pferden mit eigener Persönlichkeit besonders aus. Diese Voraussetzungen boten eine ideale Grundlage für den Einstieg in die Zucht und somit wurde Rich Gründungsmitglied der Warmblutpferdezuchtgenossenschaft Bern-Mittelland. Dabei setzte er zu Beginn schon auf den Einsatz von Vollbluthengsten, und den ersten suchte er zusammen mit Hektor Leuenberger vom Eidgenössischen Gestüt und dem ebenfalls unvergesslichen Gaston Delaquis. Ganz bewusst schaute dieses Trio nach einem deutschen Hengst aus einem Gestüt mit traditionell harten Pferden aus – also genau nach dem Rezept, dass heutzutage, etwa 40 Jahre später, in der internationalen Vollblutzucht als der meistversprechende Tipp für die Zucht erfolgreicher und gesunder Pferde gilt. Seelöwe aus Graditz erfüllte ihre Erwartungen und dieser stand dann anfänglich auch in Deisswil auf Station. Später führte diese Genossenschaft eine Deckstation im Sand, wo unter den 5-6 Hengsten immer ein Vollblüter zu finden war, bspw. Vale of Cliona, Mykonos und Honoured Guest, letzterer mit Vermittlung durch Michael Osborne beschafft, dem damaligen Direktor des irischen Nationalgestüts und späteren Berater von Scheich Mohammed. Die Arbeit im Sand führte auch zu tiefen und bleibenden Freundschaften, sowohl mit Hengstwärtern wie Tierärzten, beispiels-weise mit dem heute in Newmarket ansässigen Fred Barrelet und dem Schreiben-den. Rich wurde darum vor langen Jahren von Letzterem und seiner Frau auch gebeten als ihr Trauzeuge zu wirken, woran er sich dann an jenem Freitag-Abend jedoch nicht erinnerte. Das Fecken einer seiner Stuten im Sand war für ihn prioritär.


Erfolgreiches Züchten basiert auf der Selektion nach Leistung und muss finanziert werden können durch den Absatz, und auch hier war Richard Kläy ein Pionier. Zusammen mit Samuel Kipfer baute er für die Warmblutzucht Eignungs- und Promotionsprüfungen auf und führte Auktionen für den Verkauf ein. Seine Weitsicht basierte insbesondere darauf, dass er dank seiner Aufgeschlossenheit wusste, was andernorts erfolgreich war. Bezüglich der Promotionsprüfungen bspw. hatte er sich an den cycles classiques in Frankreich orientiert.      
Zu einem etwas späteren Zeitpunkt bauten die Berner Züchter im Umfeld von Rich ihre Bemühungen um die Leistungsprüfung ihrer Pferde mit der Schaffung von Galopprennen für Halbblüter aus, wobei ihnen die AQPSA in Frankreich als Vorbild dienten. Pferde, die als zwar „not pure blood“, aber „pure in spirit“ gelten, und heut-zutage für den Hindernisrennsport auch in Irland und England bekanntlich überaus gesucht sind.
Besonders bemerkenswert waren in den Jahren 1966 bis 1976 die Trab-, Militär- und Hindernisrennen auf dem Land von Rich in Deisswil, die er zusammen mit Gaston Delaquis initiierte und mit Hilfe der Mitglieder des lokalen Reitvereins durchführte. Es war für jedermann ein Vergnügen mit Richard Kläy ein Projekt zu lancieren und um-zusetzen. Sein Enthusiasmus war ansteckend, nur das Wohl der Sache stand im Mittelpunkt und dem für ihn typischen lösungsorientiertem Handeln lag sein vermittelndes Wesen zugrunde. Seine Zusammenarbeit mit Gaston Delaquis als dem grossen Mann im damaligen Rennsport ging dank seiner Menschlichkeit weit über das Geschäftliche hinaus und ich mag mich noch bestens daran erinnern, wie Rich den Gaston überreden konnte, mal die 1.August-Rede für die Gemeinden Deisswil, Wiggiswil und Ballmoos zu halten: "Er (der Gaston) sei schliesslich schon jedem Bauern über die Matten geritten, womit er sowohl bekannt genug sei und mal eine Gegenleistung erbringen könne".


In der 70er-Jahren wurde bei uns auch die Vollblutzucht offiziell auf die Beine gestellt, bekanntlich auf Druck seitens Frankreich, erstens wegen der mangelhaften Papiere von Bella bei Ihrem Rekord in Longchamp 1969 und erst recht nach dem Sieg von Munk in Auteuil 1972, welcher als „un cheval suisse inconnu“ das französische Militär düpierte („bafoue l‘élite militaire“). Zuvor war Munk allerdings auch in der Schweiz erfolgreich gewesen - u.a. in Deisswil.
In diese Zeit fällt auch mein erstes Treffen mit Rich, ins Jahr 1973, als Ruedi Wälty und ich noch als Veterinärstudenten damit beauftragt waren, den Bestand von Vollblutzuchtpferden zu erfassen. Wir beide kamen damals zum ersten Mal nach Deisswil - und wir beiden haben heute je ein Pferd aus seiner Zucht in unserem Besitz.
Richard Kläy war für viele Jahre auch Mitglied der Zuchtkommission, und als dort bald mal erkannt wurde, dass für die politischen Anliegen der Züchter ebenfalls eine Organisation vonnöten ist, wurde er 1980 Mitglied bei der Gründung der Vereinigung Schweizer Vollblutzüchter (VSV) im Bären in Zollikofen, seinem Geburtsort.
Gleich wie im Warmblutbereich, erkannte Rich auch hier den Bedarf der finanziellen Unterstützung der Zucht, und 1985 erwuchs in Deisswil - wie gewohnt in der Küche der Familie Kläy - die Idee der Schaffung des Inländer-Clubs, dem heutigen Club der Turf-Freunde, dem er bis in sein letztes Lebensjahr treu blieb.

 

Das Engagement von Richard Kläy im Rennsport betraf vor allem seine langjährigen Dienste als Starter, aber auch als Besitzer, passend mit den gleichen Farben wie Lord Derby. Hier erkannte Rich ebenfalls die Zeichen der Zeit, und mit den juristischen Unterlagen (aus West-Australien) für solch ein Unterfangen, regte er die Gründung von Besitzergemeinschaften an, in seinem Fall vom Stall Grauholz.
Gleich wie mit den Pferden, für die er ein geradezu instinktives Verständnis hatte, pflegte Richard Kläy mit seiner Familie, seinen Mitarbeitern, Kollegen und Freunden ein ausgesprochen vertrauensvolles und entgegenkommendes Verhältnis. Seine Ruhe und Freundlichkeit, die er jedem Lebewesen entgegen brachte, wird allen in tiefer Erinnerung bleibe, die je mit ihm zu tun hatten. Ebenso seine Weitsicht und Aufgeschlossenheit, die bei einem unserer letzten Treffen nochmals zum Ausdruck kam: „S’isch immer ä chli öppis, aber es cha oh nöd immer glich si“. Ja, so ist es, die Zeiten ändern sich und wir müssen uns dieser Herausforderung stellen. Wenn wir dies in der visionären und vermittelnden Art von Richard Kläy tun, dann wird sich auch jedermann sehr gerne und freudig lächelnd an all das gemeinsam Erlebte erinnern.    
                                                                                                           

Hanspeter Meier   

 

 


Richard Kläy als Starter (damals noch ohne Start-Boxen)

 


Ein Pferdemann erster Güte (Fotos: Zur Verfügung gestellt)

 


R.I.P. Richard Kläy

 

 





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