Wie Martin Gloor auf Papier des Rennvereins Zürich "im Namen des Vorstandes" mit Brief vom 21.9.2011 (express und eingeschrieben, als ob es ein Telefonanruf nicht getan hätte...) dem langjährigen Parkrennbahn-Speaker Markus Monstein mitgeteilt hat, verzichtet der RVZ künftig auf seine Dienste als Renn-Kommentator.
Eine Begründung für dieses Vorgehen fehlte. Diese lieferte der RVZ nun am Freitag Abend auf seiner Homepage nach (notabene als erst zweite Meldung seit dem 11.September, als der RZV die SPV-Lizenz erhielt. Dies obwohl ja sportlich weit Wichtigeres los sein sollte...!), wie uns mitgeteilt wurde: "Der Vorstand des Rennvereins Zürich entschied sich für Lupo Wolf, nachdem sich der bisherige Speaker Markus Monstein mehrfach unverhältnismässig negativ über den Rennverein Zürich geäussert hatte."
So ist das also. Offensichtlich haben auch im Vorstand des Rennvereins Zürich einige Damen und Herren (zum Teil notabene ehemalige Vorstands-Kollegen von mir) - wie leider auch in anderen Kreisen des Schweizer Rennsports - nicht begriffen, was Journalismus genau bedeutet. Solange Journalisten Hofberichterstatter sind, alles über den grünen Klee loben und sich fleissig im Schulter-Klopfen üben, sind sie willkommen. Doch wehe, jemand traut sich, eine eigene (und eben auch mal andere) Meinung zu haben...
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass genau dieser Punkt - meine journalistische Unabhängigkeit trotz Speaker-Amt in Dielsdorf - das Haupt-Thema einer Besprechung vom 7.Mai 2011 zwischen RVZ-Präsident Martin Gloor, seinem Berater Peter Jegen und mir war. Dies am Tag vor dem ersten Dielsdorfer Renntag 2011, als ich mir noch nicht sicher war, ob ich dieses Amt unter den neuen Umständen (mit Martin Gloor als Präsident) überhaupt würde ausüben können und wollen. Peter Jegen, seines Zeichens Sport-Redaktor der NZZ pflichtete mir damals bei, dass ich neben dem Speaker-Job völlig frei sei in meiner Meinungsäusserung, ja sein müsse. Das war für mich die "conditio sine qua non", die Bedingung, die ohne jegliche Ausnahme erfüllt sein musste. Nun gut, jetzt sieht das weniger als fünf Monat später anders aus in den Köpfen der RVZ-Spitze.
Dies nachdem Martin Gloor mich vor dem August-Renntag nochmal angerufen hatte, um für die die drei restlichen Renntage der Saison 2011 fix abzumachen.
Nun, ich bin mir bewusst, dass ein solcher Speaker-Wechsel aus Sicht des Sports nur ein Nebengeräusch ist (ich hätte das an dieser Stelle auch nicht thematisiert, wenn der RVZ dies nicht auf seiner Homepage publiziert hätte). Und ich denke, dass es sich mit einem Speaker verhält, wie mit einem Schiedsrichter beim Fussball: Wenn man nach Hause geht und sich nicht an ihn erinnert, war er gut.
In diesem Sinne wünsche ich den hoffentlich zahlreichen Zuschauern am Sonntag, dass sie sich nicht an den neuen Speaker erinnern auf dem Nachhauseweg...
Mir persönlich bedeutet die Speakerei sehr viel. Für mich ist das nicht nur ein Job, sondern eine Berufung. Es gibt kaum ein Rennen in der Schweiz, das ich verpasse, kaum eine Stunde, in der ich nicht über Rennsport in irgendeiner Form nachdenke. Das wirkt sich, wie mir einst der legendäre Eric Delaquis sagte, auf die Speakerei aus. Die vielen Komplimente, nicht zuletzt von Aktiven, zeugen davon. (Auch die Herren Gloor und Jegen bekräftigten dies übrigens noch im August, darum wollten sie unbedingt mich und keinen anderen...).
Aber meine Meinung zu äussern, ist mir ebenso wichtig. Was "unverhältnismässig negativ" ist, wie im Brief von Martin Gloor (den er gemäss Kürzel nichtmal selbst geschrieben hat) nun formuliert ist, liegt logischerweise im Auge des Betrachters. All die Mails, Telefonate und SMS, die ich nach jedem Artikel laufend erhalte, sprechen eine andere Sprache: "Zum Glück schreibt da bezüglich RVZ jemand, was wir denken" - lautet die Botschaft. Das zu schreiben, ist für mich eine Frage des Rückgrats. Und diesen Weg gehe ich konsequent weiter.
Der Rennverein Zürich liegt mir als langjährigem Vorstandsmitglied nach wie vor sehr am Herzen. Gerade deshalb ist es mir nicht egal, was nun passiert. Gerade deshalb ist es meine Pflicht, den Finger auf wunde Punkte zu legen. Das werde ich weiterhin tun. Versprochen!
Markus Monstein
P.S. für alle, welche überprüfen wollen, ob meine Aussagen "unverhältnismässig negativ" waren:
Am Samstag (24.9.2011) ging es bei Markus Monstein zu und her wie an einem runden Geburtstag. Haufenweise E-Mails, SMS, Anrufe und am Nachmittag vor der Auktion in Dielsdorf viele gute Gespräche. Viele Turfisten (Aktive, Besitzer, Fans) sind offenbar nicht einverstanden mit der Aktion der RVZ-Spitze.
Stellvertretend für all die Reaktionen publizieren wir hier das E-Mail aus dem Kreis der Aktiven von Michèle Huber (Trainerin, Fahrerin, Besitzerin):
"Ich habe soeben die Neuigkeit über deine Abwahl als Speaker gelesen und muss sagen, dass sich der RVZ nicht bewusst ist, wie gut du darin bist! Scheinbar ist ihnen Klamauk und Selbstinszenierung wichtiger als Kompetenz, Spannung und Gänsehautfaktor.
In einem bin ich aber nicht einig mit dir. Und zwar mit deinem Vergleich mit dem Schiedsrichter! Ich erinnere mich nach den Rennen immer an die Speaker. Die einen vermögen es, eine riesen Stimmung zu erreichen, einem eben im Einlauf eine Gänsehaut hervorzurufen und das Rennen damit viel spannender zu machen, als es manchmal tatsächlich ist. An diese erinnere ich mich immer gerne und ich freue mich, wenn ich einen Rennfilm habe, der von einem fachmännischen Speaker kommentiert wird.
(...)
Ich finde es bemitleidenswert, dass der RVZ scheinbar nicht das Format hat, wirklich gute Leute einzusetzen, auch wenn sie nicht mit allem einverstanden sind, was der Verein momentan tut."
e liebe Gruess
Michèle Huber
horseracing.ch
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