
Siegreiche "Mischung": Altmeister Georg Bocskai gewinnt mit Youngster Fundao die Chance 2011 (Ueli Wild)
Vor offiziell 9100 Zuschauer (Wettumsatz 70'996 Franken) setzten sich in den Hauptereignissen Favoriten mit Routiniers im Sattel durch: Der Söhrenhöfler Fundao gewann die Chance 2011 mit Georg Bocskai in gutem Stil und auch Shakalaka hatte mit Jean-Michel Breux im Silberblauen Band einen sehr routinierten Siegreiter.
Der Rennverein Zürich konnte auch seinen vierten Renntag im 2011 bei besten äusseren Bedingungen abhalten - wobei es bis um ca 14 Uhr dauerte, ehe die Sonne sich einen Weg durch den hartnäckigen Hochnebel gebahnt hatte.
9100 Zuschauer, so schätzten die Verantwortlichen, hatten den Nachmittag auf der schön hergerichteten Parkrennbahn verbracht. Der Wett-Umsatz von 70'966 entsprach in etwa den Erwartungen, hatte der Kids' Day doch in den letzten Jahren bisher nie hohe Umsätze gebracht. Wenn man den letztjährigen Kinder-Tag als Vergleich heranzieht, so fällt aber doch auf, dass damals bei nur 7 Rennen (also zwei weniger als nun im 2011) die damals geschätzten 9600 Zuschauer einen Umsatz von 68'523 Franken erzielten. Also nicht wesentlich weniger Umsatz bei 2 Rennen weniger. Da stellt sich die Anschluss-Frage, ob weniger Leute auf dem Platz waren oder ob die Zuschauer im Durchschnitt pro Rennen schlicht letztes Jahr noch mehr gewettet hatten - und falls ja, weshalb dies so war/ist.
Die Bahn befand sich in tadellosem Zustand, auch wenn sich der eine oder die andere für sein Pferd weniger durchlässiges Geläuf gewünscht hätte. In der Woche nach dem Jockey Club-Renntag wurde offenbar fleissig gewässert, so dass der Boden deutlich "anhänglicher" war, als aufgrund der Wetter-Verhältnisse in den letzten Tage zu erwarten gewesen war.
Die Crew rund um René Stadelmann leistete jedenfalls sehr gute Arbeit. Das Geläuf wurde mit einem Durchschnittswert von 3.8 gemessen (3.5 bis 5.0 - der tiefe Teil war Ausgangs des Bogens der kleinen Bahn).
Dafür hatten andere einen weniger guten Tag eingezogen, auch wenn all diese Aufgaben natürlich nicht einfach sind und zum Teil innert Sekunden entschieden werden muss.
Insbesondere die Tatsache, dass im vierten Rennen zunächst der nachträglich offenbar falsche Sieger (Quatuor du Martza mit Renaud Pujol) offiziell geehrt wurde - dann auf den Resultat-Blättern plötzlich Quasir de Bussy (Heiner Bracher) gewonnen hatte (mit "kurzem Kopf", 13 Tausendstelssekunden vor Quatuor) sorgte für Verwirrung bis Verärgerung. Dies umso mehr, als das neue Resultat gar nie über Lautsprecher kommuniziert worden war und einige Wetter ihre Tickets weggeworfen hatten. Die Dunkelziffer jener, die das geänderte Resultat gar nicht mitbekommen hatten, dürfte gross sein.
Doch damit noch nicht genug: Nach Beurteilung langjähriger Trab-Experten hätte Quasir de Bussy nie und nimmer der Sieger des Rennens sein dürfen. Bereits unterwegs (z.B. eine Runde vor Schluss vor den Tribünen) trabte er alles andere als sauber und auch im Einlauf war die Gangart des nunmehr vierfachen Saisonsiegers nicht in Ordnung. Er wurde unverständlicherweise nach einer Gangart-Untersuchung bestätigt.
Im einleitenden Meilenrennen soll gemäss Protokoll zudem das Zielfoto um Rang drei (Le Ribot/Hounded) falsch ausgewertet worden sein. Auf dem Rennfilm konnte man auch den Eindruck gewinnen, Hounded sei vor seinem Kontrahenten ins Ziel gekommen. Die Rennleitung hat nun beantragt, dass der Vorstand Galopp Schweiz eine Untersuchung wegen möglicher Fehlauswertung des Zielfotos einleitet.
Die "Gelackmeierten" wären im Falle einer Umkehr des Verdikts die Wetter, die auf Hounded gesetzt hatten.
In der mit 30'000 Franken dotierten VSV-Chance 2011 setzte sich Georg Bocskai mit Fundao für das Gestüt Söhrenhof von der Spitze aus locker durch. Das grösste Problem bereitete der Blue Canari-Sohn sich im Einlauf selbst, als er rund 250 bis 300 Meter vor dem Ziel plötzlich nach rechts scherte, Good Fellow "mit nahm" und Georg Bocskai alle Hände voll zu tun hatte, den Favoriten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Am Ende resultierte ein überlegener Sieg mit zwei Längen Vorsprung - der auch hätte höher ausfallen können, wenn Georg Bocskai es gewollt hätte. Wohl auch deshalb ordnete die Rennleitung nichtmal eine Untersuchung an wegen des doch starken Schwenkers von Fundao. Rang zwei holte sich mit starkem Endspurt Prado (Eric Wehrel) vor den auf dem Zielfoto nicht zu trennenden Navesco und Good Fellow (der ohne den Schwenker des Siegers möglicherweise noch Rang zwei hätte erreichen können - jedenfalls ist das nicht auszuschliessen).
Das Silberblaue Band brachte ein halbes Dutzend Kandidaten an den Start. Bergonzi sorgte mit Silvia Casanova für die Pace, ein regelmässiges, gutes Tempo. Jean-Michel Breux (der übrigens nicht wie anderswo zu lesen war, am letzten Sonntag Geburtstag hatte, sondern erst am 4.Dezember seinen 49. Geburtstag feiert und damit ziemlich genau 4 Jahre jünger ist als Georg Bocskai, der im Januar 1959 geboren ist) liess sich nicht zu früh aus der Reserve locken - als er den von Thomas von Ballmoos für den Stall Paddy O'Brien trainierten Montjeu-Sohn im Einauf aufforderte, marschierte dieser gross auf und liess dem sich tapfer wehrenden Bergonzi keine Chance. Um eine Dreiviertellänge geschlagen blieb dem Animatoren der Ehrenplatz, deutlich vor Halling River.
Pechvogel des Tages war Nicolas Perret, der sich mit Lebensfreude (2. Rennen) einen Daumen ausgerenkt hatte und in der Folge seine Ritte abgeben musste.
Den letzten Sieg hatte Level One Jiel im Oktober 2009 in Frauenfeld realisiert, den letzten Toto-Rang am Derby-Tag 2010. Seither passte nicht mehr viel zusammen. In dieser Saison hatte er nicht mehr die Durchschlagskraft vergangener Saisons.
Doch an diesem 2.Oktober 2011 zeigte sich der von seiner Besitzerin Patricia Felber trainierte Zwölfjährige von seiner besten Seite. Von der Spitze aus marschierte der 23:1-Aussenseiter im Einlauf immer weiter, um schliessich den am Toto ebenfalls sträflich unterschätzten Nectar d'Hermès um eine Länge zu bezwingen. Rang drei ging dank gutem Endspurt an Mask du Granit.
Die Zulagepferde hatten keine Siegchance in diesem Rennen, Prince du Chevrel kam mit bester Kilometerreduktion auf Rang 5.
Für Level One Jiel war es beim 47. Start auf Schweizer Bahnen der 11. Volltreffer - knapp 124'000 Franken hat er in der Schweiz nun verdient.
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