Der Schweizer Rennsport darf in eine interessante Zukunft blicken - auch wenn einige der traditionellen Rennvereine in der Deutschschweiz mit Problemen kämpfen oder in einer Umbruchphase sind. Nachdem der RVZ bereits vor einiger Zeit verkündet hatte, dass in Dielsdorf 2012 keine Rennen stattfinden, Basel gar das definitive Aus bekanntgegeben hatte, folgt nun der nächste Deutschschweizer Tiefschlag. "In Luzern wird es, wie ich gestern gehört habe, nie mehr Rennen geben", schockte Jean-Pierre Kratzer die Anwesenden in seiner Rede. Was, wieso, weshalb - wir werden in den nächsten Tagen darauf zurückkommen, wenn wir detaillierte Informationen aus Luzern haben.
JPK zog daraufhin zunächst Bilanz: Das 2011 mit 124 PHH-Rennen in Avenches für die Traber und 72 für die Galopper sei sehr gut gewesen. Bei den Trabern resultierte daraus ein Wett-Umsatz von total rund 43 Millionen EUR (durchschnittlich 346'000 EUR pro Rennen), im Galopp waren es rund 17 Millionen EUR (im Durchschnitt 236'000 EUR pro Rennen). Von den Einnahmen konnten beim Trab 640'000 EUR für die Rennfinanzierung und die Subvention der Nenngelder (1 % statt sonst deren 2) verwendet werden, beim Galopp waren es rund 200'000 EUR.
Welche Entwicklung ist für den Sektor Trab 2012 möglich? Gemäss Kratzer ist es nicht möglich, zum Beispiel 8 Rennen pro Seminocturne zu machen, auch eine Ausweitung auf 20 Trab-Renntage ist vom Pferdebestand her nicht machbar. Hingegen werden nun im März und November mehr Rennen gelaufen - bereits am 3. oder 4. März 2012 geht es mit Trab-Renntagen in Avenches los, 2 März-Samstage werden PHH-Renntage sein. Und im November finden ebenfalls 4 Renntage statt, bis am 30.November. Die Saison dauert also deutlich länger als bisher.
Bei den Galoppern fallen mit den 4 Renntagen in Dielsdorf gegenüber 2011 26 Galopp- und 10 Trabrennen weg. Wenn nun, was eine Möglichkeit gewesen wäre, Avenches nur noch 6 statt 12 PHH-Renntage durchgeführt hätte (wegen zu geringer Starterzahlen), wäre es gemäss Kratzer schwierig geworden, später (z.B. im 2013) die Anzahl wieder zu erhöhen.
Weil IENA und Suisse Trot sich klar für eine Europa-Strategie basierend auf Frankreich mit PHH-Rennen ausgesprochen hat, finden maximal 3 gemischte Sonntag-Renntage in Avenches statt. Nur für die Galopper Rennen am Wochenende in Avenches zu organisieren ist gemäss JPK deshalb fast unmöglich.
Kratzer präsentierte in der Folge 3 mögliche Szenarien für 2012.
1. Getrennte Weiterentwicklung von Trab und Galopp
2. Getrennte Weiterentwicklung Deutschschweiz/Romandie
3. Umsetzung eines Projektes, um Galopp Schweiz das Überleben und Entfaltung für die Zukunft zu ermöglichen
Natürlich wurde nicht Variante 1 oder 2 näher vorgestellt, sondern der 3. Punkt. Unter dem Namen "Rainbow 2012" wird folgendes angestrebt:
1. Ausdehnung und Zusammenarbeit mit Frankreich/PMU hat absolute Priorität
2. Risiko = Verantwortung ; und Verantwortung = Kompetenz (d.h. wer Risiken eingeht und Verantwortung auf sich nimmt, soll auch die Kompetenzen in den Händen halten)
3. Solidarität der Rennvereine & Solidarität der Aktiven
Es entsteht eine enge Zusammenarbeit zwischen Avenches und Frauenfeld. Auf diesen beiden Bahnen werden 2012 drei Viertel aller Galopprennen auf Gras gelaufen (!).
- Total 15 PHH-Renntage für die Galopper, 12 in Avenches und 3 in Frauenfeld
- Einführung von Hindernisrennen an PHH-Renntagen
- Erhöhung der Durchschnitts-Dotation pro Rennen
- Organisation der Rennen (Ausschreibungen, Reglemente, Ablauf, Funktionäre, Informationen) sind in der vollen Verantwortung des Komitees "Rainbow" (welches aus folgenden 6 Personen besteht: Jean-Pierre Kratzer und Denis Roux für Avenches, Christoph Müller und Michael Schmid für Frauenfeld, Urs Muntwyler und Thomas Peter für Galopp Schweiz).
Die Ausschreibungen sollen folgendes ermöglichen:
- regelmässig 10 Starter oder mehr, welche zudem eine gleiche Gewinn-Chance haben (-> mehr Handicaprennen, muss das zwingend bedeuten. Anm.des Verfassers)
- ausgeglichenere Felder zusammenbringen, bessere Übereinstimmung der Kategorisierung der Rennen
- Verstärkung des Programms für zwei- und dreijährigen Pferde
- ein interessanteres Programm für spezifische Kategorien, wie z.B. Sprinter
- Ausschreibungen sollen keine Hürden für Auslandstarter darstellen
Dank dem Projekt Rainbow gibt es im 2012 neben den 44 Galopprennen in Aarau, Fehraltorf und Maienfeld mit Dotationen von tota 509'000 Franken zusätzlich noch 104 Rennen in Avenches (1.332 Mio Franken) sowie 36 Galopp-Rennen in Frauenfeld (614'000 Franken Dotation). Im Vergleich zum 2011 können damit die Einbussen durch den Wegfall von Dielsdorf zwar nicht ganz kompensiert werden (-9 % bei der Anzahl Rennen, -6.5 % bei den Preisgeldern), aber doch gemindert werden.
- Bis Ende November wird der Datenkalender 2012 publiziert.
- Bis am 15. Dezember werden Info-Abende zum Projekt Rainbow organisiert. (Wobei JPK sagte, es seien nur Leute willkommen, welche das Projekt unterstützen wollen)
- Bis Ende Januar 2012 werden die Ausschreibungen für das erste Halbjahr publiziert.
In Avenches wird vom 7. Mai bis am 26.Juni kein Galopprennen gelaufen - in dieser Zeit kommt es, neben den beiden Renntagen vom 6. und 20.Mai in Aarau zu einem veritablen Frauenfeld-Meeting mit 5 Renntagen auf der Allment (unter anderem auch mit PMU-Rennen am Pfingstmontag-Abend!).
Der Frauenfelder Rennvereins-Präsident Christoph Müller äusserte sich in seiner Ansprache mit viel Enthusiasmus. "Frauenfeld ist sehr motiviert, neben den bisherigen 4 Renntagen noch zwei zusätzliche PHH-Renntage durchzuführen", so Müller, "es wird natürlich etwas ungewohnt sein, dass am Pfingstmontag nach 5 bis 6 Nachmittag-Rennen dann am Abend von 17.30 Uhr bis 20 Uhr noch weitere 6 PHH-Rennen stattfinden. Aber wir tun alles, damit das ein Erfolg wird, und hoffen auf Unterstützung!"
Müller erklärte, dass die zusätzlichen Renntage für den RVF ein Risiko darstellen. Der Rennverein Frauenfeld müsse schliesslich mit den Wett-Einnahmen sämtliche Kosten, insbesondere die Renndotationen decken (anders als in Avenches, wo der Grossteil der Preisgelder aus den Einnahmen durch die PMUR-Wette generiert werden, bei welcher Westschweizer Wetter bekanntlich rund 100 Millionen Franken pro Jahr auf Rennen in Frankreich spielen).
Christoph Müller konnte gleich noch eine positive Mitteilung verkünden: "Auf Initiative des Jockey Club werden wir am 30.September 2012 in Frauenfeld noch einen Zusatzrenntag veranstalten, den 7. auf der Allmend." An diesem gemischten Renntag sollen 8 bis 9 Galopp- und Trabrennen stattfinden.
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