Sie müssen eingeloggt sein, damit Sie Ihre eigenen Quicklinks speichern und bearbeiten können. Noch kein Benutzerkonto bei uns?
E-Mailadresse:


Passwort:

Noch kein Benutzerkonto bei uns?
Schnellsuche
Schnellsuche öffnen mit Tastatur: CTRL+F
 

Force



SPV kommuniziert: Taskforce für den RVZ eingesetzt, Ergebnis der VdR-Untersuchung

Donnerstag, 22. Dezember 2011 17:37

Der Vorstand des Schweizerischen Pferderennsport-Verbandes (SPV) hat im aktuellen Rennkalender über zwei Dossiers informiert.

 

Der Vorstand SPV hat in der neusten Ausgabe des offiziellen Publikationsorgans "Rennkalender" die Ergebnisse vieler Arbeitsstunden publiziert.

Zum einen geht es um den Rennverein Zürich, der nach dem (respektive mitten im) Fall Gloor turbulenten Zeiten entgegenblickt. 

Es wird nun auf Initiative des Vorstandes SPV eine Task Force eingesetzt (in Zusammenarbeit mit dem RVZ, der in dieser Task Force durch Hans-Peter Ess vertreten ist), welche unter anderem als Ziele hat, die Interessen des RVZ wahrzunehmen, den Trainingsbetrieb aufrecht zu erhalten sowie dem RVZ ab 2013 wieder die Durchführung von Rennen zu ermöglichen.

 

Hier der genaue Wortlaut der SPV-Mitteilung:

 

"Mitteilung des Vorstand SPV betreffend Rennverein Zürich

1.    Anlässlich seiner Sitzung vom 21. Dezember 2011 hat der Vorstand SPV von der aktuellen Situation des Rennvereins Zürich (RVZ) Kenntnis genommen. Er bedauert die schwierige Lage in der sich der RVZ befindet sowie die negativen Auswirkungen für den Schweizer Pferderennsport.

2.    Es ist dem Vorstand SPV ein Anliegen, möglichst viele Kräfte zur Wiederherstellung eines Vertrauensklimas für ein tragfähiges Projekt "Pferderennsport in Zürich" zu vereinigen. Insbesondere soll das Trainingszentrum weiterbestehen und ab 2013 auch wieder Rennen in Dielsdorf stattfinden können.

3.    Der Vorstand SPV hat dem Vorstand RVZ seine volle Unterstützung zur Erreichung dieser Ziele angeboten. Der Vorstand RVZ, unter der Führung von Herrn Hans-Peter Ess, begrüsst diese Initiative und ist für die Unterstützung sehr dankbar.

4.    In Abstimmung mit dem RVZ hat der Vorstand SPV beschlossen, eine «Task Force Dielsdorf»  zu gründen, um die Umsetzung an die Hand zu nehmen.

Dieser «Task Force Dielsdorf» gehören zurzeit folgende Personen an:

- J.-P. Kratzer    (Koordinierung, Finanzen und Kommunikation)
- H.-P. Ess    (RVZ)
- C. Müller    (VRV)
- J. Broger    (Galopp Schweiz)
- L. Devaud    (Suisse Trot)
- R. Schmid    (Juristische Beratung)
- H.-P. Sorg    (Juristische Beratung)

Anfangs Januar wird diese «Task Force Dielsdorf»  mit weiteren Persönlichkeiten bezüglich der Bereiche Trainingszentrum, Sponsoring etc. ergänzt werden.

5.    Die vordringendsten Prioritäten der «Task Force Dielsdorf» sind:
-    Ergreifen von Sofortmassnahmen zur administrativen und finanziellen Führung des RVZ.
-    Den Betrieb des Trainingszentrums aufrecht zu erhalten.
-    Die Interessen des RVZ zu schützen und zu vertreten.
-    Die Mitglieder des RVZ zu orientieren und ihnen mögliche Lösungen zur Verfolgung der Aktivitäten des RVZ zu unterbreiten.

Vorstand SPV, 22. Dezember 2011"   (Ende Zitat Rennkalender)

 

 

 

Busse im Fall Vac de Regnière wegen Vorfall nach dem Rennen

 

Im Fall Vac de Regnière gab es gemäss dem SPV-Bericht mehrere Ebenen. Zu einer Sanktionierung kam es indes nur in einem Bereich. Und zwar wurde Trainer Andreas Schärer gebüsst, weil er gemäss Ergebnis der Untersuchung am Abend nach dem Renntag vom 16.Oktober 2011 in Maienfeld mit seinem "hochgradig lahmenden" Schützling Vac de Regnière geschätzte "40 Meter" an der Hand zurücklegte, offenbar um ihn zu einem noch deutlich weiter entfernten Transporter zu bringen. Veterinär Reto Stump hatte die Szene beobachtet und an den SPV rapportiert.

 

Nun hat der SPV-Vorstand, nach Anhörung von Andreas Schärer, konstatiert, dass das Verhalten des Trainers "gegenüber seinem Pferd nicht dem Verhalten entspricht, das von einem Trainer erwartet wird." Tatsache ist, gemäss Vorstand SPV, "dass der Trainer Andreas Schärer augenblicklich hätte feststellen müssen, dass das Pferd an einer schweren Verletzung litt, dessen Ausmass er rasch erkennen musste."

 

Andreas Schärer wurde deshalb gemäss Galopprennregelment wegen Verletzung einer Tierschutznorm (GRR 174 Abs. 2.31) mit einer Busse belegt, und zwar mit der für einen "Verstoss, der eine Störung des Renntages zur Folge hat" (GRR 171 Abs 2) vorgesehenen Höchststrafe von 1000 Franken.

 

Auf einer zweiten Ebene wurde nach einer beim Kantonstierarzt des Kantons Graubünden eingegangenen Tierschutzmeldung die Frage nach dem Gesundheitszustand von Vac de Regnière VOR dem Rennen vom 16.Oktober 2011 in Maienfeld untersucht. horseracing.ch ist im Untersuchungsbericht ebenfalls erwähnt. Wir halten hier mit Nachdruck fest, dass unsere Informationen über Vac de Regnière aus 1. Hand (von Trainer Andreas Schärer via E-Mail) stammen.

 

Dem SPV-Vorstand muss zu Gute gehalten werden, dass die Untersuchung offenbar minutiös geführt wurde. So wurden bei 14 Personen schriftliche Stellungnahmen eingefordert, zudem wurden 3 Zeugen vom Vorstand SPV angehört. Die Untersuchung ergab zusammengefasst folgendes Bild: Vac de Regnière wurde gemäss dem behandelnden Tierarzt erstmals am 29. August 2011 (dem Tag an welchem er im GP der Stadt Luzern in Avenches hätte laufen sollen; Anm. der Redaktion) aufgrund einer im Training festgestellten Lahmheit vorne rechts "vorgestellt" (Zitat). Weil der Grund der Lahmheit nicht genau eruiert werden konnte, wurde am 2.September eine Szintigraphie vorgenommen. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde "eine erhöhte Knochenaktivität im Bereich des rechten Vorderfusswurzelgelenk (Karpus)" gefunden. In den nachfolgenden Wochen wurde das Pferd mit Injektionen von Hyaluronsäure und IRAP in das Karpalgelenk behandelt - eine Behandlung, die gemäss dem als Experten zugezogenen Prof. Anton Fürst (Tierspital Zürich) eine regelmässig angewandte Behandlungsform dieser Erkrankung darstelle - sie habe das Ziel, "die Entzündung zu bekämpfen, während die Schmerzen selber nicht oder nur wenig reduziert werden. ..."

 

Der SPV kommt ("basierend auf die Fakten in seinem Besitz, wie schriftliche Aussagen, Meinungen Dritter, Berichte usw") zum Schluss, "dass das Pferd Vac de Regnière keinerlei Anzeichen von Lahmheit während und unmittelbar nach dem Rennen aufwies. Die Behandlungen, die das Pferd in den letzten Monaten vor dem Rennen erhalten hat, sind in der Veterinärmedizin üblich und es wurden ihm auch keine verbotenen Mittel verabreicht.

 

(Anmerkung der Redaktion: Lediglich 9 Tage nach der Diagnose lief Vac de Regnière am 11. September in Aarau bereits wieder und gewann; weitere zwei Wochen später belegte er in Dielsdorf den Ehrenplatz; nochmals drei Wochen später bestritt er in Maienfeld sein letztes Rennen. Aufgrund des Untersuchungsberichts muss davon ausgegangen werden, dass für den Vorstand SPV ein Pferd, welches nicht lahmt und keine verbotenen Mittel verabreicht bekommen hat, gemäss Reglement als renntauglich gilt).

 

 

Kommentar von Markus Monstein

 

Pferde können nicht reden. Zum Glück für manchen Zweibeiner, bin ich geneigt zu schreiben. Nach wie vor bin ich aber überzeugt, dass der allergrösste Teil der Trainer und Besitzer im Schweizer Pferderennsport sauber arbeitet (auch wenn mir nach diesem Satz von einigen, wie schon so oft, Blauäugigkeit vorgeworfen werden wird...). Doch es gibt zumindest Grau-Bereiche, die es im Auge zu behalten gilt. Einzelne Fälle aus der Vergangenheit möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst zitieren. Wir Turfisten wissen genau, wovon die Rede ist.

 

Das "Positive" am Fall Vac de Regnière - man erlaube mir, trotz des für das Pferd tragischen Ausgangs, diese Formulierung - ist immerhin, dass sich der Vorstand SPV nun (endlich, bin ich geneigt zu schreiben) dieses Themas angenommen hat. Eine solch detaillierte Untersuchung hat es zumindest in den letzten Jahren im hiesigen Rennsport nicht gegeben, wohl sogar noch überhaupt nie. Das macht Mut für die Zukunft. Das zeigt allen, dass auch künftig genau geschaut werden wird. So ist jedenfalls zu hoffen. Wer zu einem ähnlichen Thema künftig berechtigte Zweifel hat, darf getrost an den Vorstand SPV gelangen.

 

Dass es einige Zufalls-Komponenten brauchte, um diesen Fall überhaupt erst ins Rollen zu bringen, sei aber auch erwähnt. Die Tatsache, dass eine sogenannte "Tierschutz-Meldung" (wegen möglicher Vor-Schädigung, nicht wegen des nun geahndeten Vorfalls nach dem Rennen) an den Amtstierarzt erfolgte, zeigt in welcher Situation unser Sport sich befindet. Ob eine solche Meldung der richtige Weg sei, ist definitiv umstritten. Schliesslich sollte unser Sport ja in der Lage sein, mit seinen Problemen selbst umzugehen. Die rennsport-internen Instanzen müssen in solchen Fällen (noch) besser funktionieren. Dies hat der Fall ebenfalls gezeigt.

 

In einer schwierigen Situation sind auch die behandelnden Tierärzte, welche nicht zu beneiden sind. Stehen sie doch immer mehr im Spannungsfeld zwischen den Kunden (den letztlich die Rechnung zahlenden Besitzern und den Trainern), den Pferden (als Patienten) und den Behörden (in diesem Fall dem SPV) mit ihren Reglementen (wie z.B. Doping-Reglement etc.). Allen können sie es - ausser in offensichtlich klaren Fällen - in aller Regel nicht recht machen, um es einmal so zu formulieren. Schwierig wird es insbesondere dann, wenn "unabhängig" voneinander mehrere Veterinäre am Werk sind. Dann, wenn der eine nicht (oder zumindest nicht genau) weiss, wie der andere den selben vierbeinigen Patienten behandelt oder zuvor schon behandelt hat.

 

Abschliessend möchte ich der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass der SPV bereits angekündigte Massnahmen wie Trainingskontrollen (Medikation etc.) demnächst in die Praxis umsetzen kann. Wie es zum Bespiel in Frankreich, und daran orientieren wir in der Turf-Schweiz uns bekanntlich je länger je mehr, längst der Fall ist.

Dies ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Im Endeffekt, und da dürfen wir uns nichts vormachen, müssen jedoch die Trainer (welche ihre Schützlinge am besten kennen) in enger Zusammenarbeit mit den Besitzern ihre Verantwortung gegenüber den Pferden wahrnehmen. Getreu der alten Turf-Weisheit: Es gibt nie ein Rennen zu wenig, nur eines zu viel. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Copyright © 2026 by horseracing.ch | Webdesign - CMS - Datenbank by moderntimes.ch | 178353147 Zugriffe seit Mittwoch, 11. Januar 2006
Logo horseracing.ch