(mmo) An Publikum hat es nicht gefehlt, an der von der Vereinigung Schweizer Vollblutzüchter mit viel Aufwand organisierten Auktion 2012 in Frauenfeld. Doch wie in den letzten Jahren zeigte sich, dass der überwältigende Grossteil der Anwesenden aus Neugier gekommen war. Potentielle Käufer mit echtem Interesse konnten überspitzt formuliert an einer Hand abgezählt werden.
So sehr sich der bedauernswerte Auktionator Daniel Delius, der extra aus Deutschland eingeflogen worden war, auch mühte, er konnte schlichtweg keine zusätzlichen Bieter aus dem Hut zaubern. "Dafür geht es leider noch nicht" oder "dann nehme ich die Stute/den Hengst aus dem Ring" waren seine am häufigsten gebrauchten Formulierungen.
Drei Jährlinge wechselten letztlich den Besitzer. Das Höchstgebot erzielte der aus der 2005-Stutenderby-Siegerin Fujairah stammende Lord of England-Sohn FILOU, ein schön gemachter Brauner. Ruedi Günthardt ersteigerte den Gestüt Schloss Berg-Zögling für 25'000 Franken.
Auch der zweitteuerste Verkauf, für 9500 Franken, wurde im Gestüt Schloss Berg von Fritz von Ballmoos gezüchtet. ALADIN, ein Linngari-Nachkomme aus der Assraar (damit ein Halbbruder von Alamo und Azzato), gehört nun Silvia Meyer Furrer.
Für 6500 Franken wurde schliesslich Christoph Müllers Angebot ARENENBERG, eine Dr. Fong-Stute aus der Autumn Forest, an Andreas Fehr verkauft. Die französisch gezogene Stute, präsentiert vom Gestüt Schloss Berg, geht zurück nach Frankreich.
Gebote gab es auch für andere Lots, doch hatten allesamt höhere Reservepreise. So waren zum Beispiel Papageno (für 42'000 Franken), Asadita (für 28'000.-), Oil of England und Cominols (je 24'000.-) oder Even Sunday (für 11'000.-) nicht zu haben.
Bei nur 3 im Ring zugeschlagenen Angeboten (bezüglich "silent sales" sind wir noch nicht im Bilde) muss sich die Schweizer Vollblutzucht schon fragen, wie es in Zukunft weiter gehen soll.
Haben die Züchter falsche Preisvorstellungen? Züchten einige am Markt vorbei? Gibt es überhaupt einen Markt für Inländer-Jährlinge? Dies sind nur ein paar wenige Fragen, die sich stellen.
Eine andere Frage sei erlaubt: Ist der Aufwand mit einer solchen Auktion nicht viel zu gross, wenn es vielen Züchtern (mutmasslich) nur darum geht, sich mit dem Gang durch den Ring, die Startberechtigung für das Chance-Rennen im Folgejahr zu holen?
Antworten zu suchen, liegt in erster Linie an den Züchtern und ihrer Dachorganisation selbst (die sich viel Mühe gegeben hat bei der Organisation und der Vermarktung im Rahmen der Möglichkeiten).
(Als Nachtrag ein Vergleich zur Situation bei den Trabern in der Schweiz: Im 2012 wurden nicht weniger als 46 (!) Schweizer Trab-Zuchtstuten gedeckt (16 in der Schweiz, 30 im Ausland), zum Teil von absoluten Top-Hengsten).)
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