So sieht unser Zeichner Franco Castioni die Situation im Schweizer Rennsport.
Von Markus Monstein
Der Schweizer Pferderennsport steht vor entscheidenden Monaten und Jahren. Dies notabene nicht erst seit dem wegweisenden Entscheid der Galopper, die Verwaltung wieder selbst in die Hände zu nehmen.
Die Wettumsätze in Frankreich gehen seit Monaten deutlich zurück, was dereinst auch Auswirkungen auf die Schweiz haben könnte. Nicht auszudenken, wenn mit Avenches etwas Unvorhergesehenes passiert, das die Renn-Möglichkeiten dort dezimiert - über den Super-GAU eines Totalausfalls wollen wir gar nicht erst nachdenken. Nur schon eine Verkleinerung des Renn-Angebots für einen Sektor (Galopp oder Trab) auf sagen wir die Hälfte würde diejenigen Aktiven, die irgendwie davon leben müssen, in arge Schwierigkeiten bringen.
Die Besitzer machen sich selbstverständlich auch ihre Gedanken. Nur wenige zeigen sich so investitionsfreudig wie vor ein paar Jahren noch. Es ist insbesondere bei den Galoppern in den letzten Jahren noch schwieriger geworden für ein Pferd, auf Schweizer Bahnen nur schon die Hälfte seiner Kosten hereinzugaloppieren (die Traber sind günstiger im Unterhalt - notabene auch bei erfolgreichen Berufstrainern - sie können mehr Starts absolvieren in einer Saison, sind im Schnitt weniger verletzungsanfällig und haben erst noch mehr Rennen zur Auswahl).
Neue, jüngere Besitzer zu finden, ist unter den aktuellen Voraussetzungen nicht einfach. Dies monieren die Trainer schon seit Jahren. Und verlangen von den Dachverbänden Unterstützung. Doch guter Rat ist teuer. Das Modell der Besitzerclubs, wie es sie seit Jahrzehnten in der Schweiz gibt, kann eine Lösung sein. Dass weitere Clubs nun aber wie Pilze aus dem Boden schiessen, ist sehr unwahrscheinlich. Denn einen solchen Club oder Verein auf die Beine zu stellen und in Schwung zu halten, braucht einiges an Ideen, Elan und vor allem auch Arbeit.
Die Suche nach Funktionären mit Rennsport-Hintergrund gestaltet sich zunehmends schwieriger. Dies gilt für beide Sparten. Die vielen Abend-Renntage haben die Sache nicht einfacher gemacht. Denn wer aus der Deutschschweiz für einen Abendeinsatz nach Avenches fahren will, muss meist notgedrungen einen halben Tag Ferien einziehen, ausser die Arbeitsstelle befindet sich im Raum Bern. Wenn dann noch einige an sich fähige und grundsätzlich willige potentielle Funktionäre sich nicht zur Verfügung stellen, weil sie dies unter dem in Avenches (be-)herrschenden Regime nicht mit ihren Grundsätzen vereinbaren können, dann kommt es zu nahezu bizarren Situationen: Nämlich solchen, dass arrivierte Trab-Aktive neue Rennleitungsmitglieder oder Gangartrichter zuvor gar nicht oder nur vom "Hören-Sagen" kennen, wenn sie ihnen bei einem Einsatz dann einmal gegenüber sitzen.
Wenn wir schon bei den Funktionären sind: Vor Jahren wurden einmal in Aarau bei den Jockeys Alkohol-Kontrollen gemacht. Dies wäre durchaus auch bei den Funktionären einmal angebracht (natürlich unangemeldet, bitteschön...). Denn es geht inzwischen mit den PREMIUM-Rennen um sehr viel, auch für die Wetter (die lange vernachlässigte Spezies, die über den Frankreich-PMU-Umweg die Rennen hierzulande überhaupt erst gerettet hat). Einige Entscheide bei den Trabern (auch für Halblaien ziemlich offensichtliche Behinderungen, die überhaupt nicht geahndet werden - Gangartuntersuchungen mit fragwürdigem Ausgang, etc.) befeuern hartnäckige Gerüchte, wonach einige Funktionäre sich gerne vor dem Renntag schon das eine oder andere Glas Wein gönnen. In einigen Fällen, in denen schlicht und einfach keine Untersuchung stattfand (weil von der Rennleitung oder den Gangartrichtern keine angeordnet worden war), ist der Zeitdruck bei den PREMIUM-Rennen sicher auch einer der Gründe - denn es muss möglichst schnell der definitive Einlauf nach Paris gemeldet werden. Sobald dies geschehen ist, kann nach Bekanntgabe der Quoten mit der Auszahlung begonnen werden. Und wenn die Wetter ihr Geld zurück haben, setzen sie es wieder ein... Doch am Ende sollte ja schon der Sport und der korrekte Ablauf bis hin zum Fairnessgedanken noch immer das Wichtigste sein. Denn wenn die PMU-Wetter einmal den Eindruck haben, es gehe nicht (oder nur schon nicht immer) mit rechten Dingen zu und her in der Schweiz, dann ist es definitiv vorbei mit der immer wieder gelobten Herrlichkeit.
Dies sind nur ein paar Themen, die in den kommenden Monaten und Jahren weiter im Fokus stehen werden:
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