von Markus Monstein
Frühlingsrenntag im Schachen, der erste Renntag der Saison für die Crössler und traditionell ein Gipfeltreffen für die Traber. Dazu ist auch noch Muttertag, es gibt einen speziellen Brunch mit Live-Musik - in Aarau sind die Höhepunkte zum Auftakt an einer Hand nicht abzuzählen.
Petrus scheint es erneut gut zu meinen mit den Aarauern. Es könnte Gewitter geben gegen Abend, der angekündigte grosse Regen soll allerdings erst am Montag kommen.
Einen Meilenstein werden die Zuschauer vor Ort nur am Rande mitbekommen: Der Renntag wird ab 12.35 Uhr live auf Swiss Sport TV übertragen! Rund 4 Millionen Haushalte in der Schweiz können den Sport-Sender gratis empfangen (meist in der nähe von Eurosport etc.), auch über das Internet kann geschaut werden (allerdings nur innerhalb der Schweiz).
Unser Sport bekommt dadurch dringend benötigte Sichtbarkeit, der Aargauische Rennverein kann zudem den Sponsoren einen echten Mehrwert bieten.
Sehr erfreulich ist, dass deutlich mehr Pferde am Start sind als im Vorjahr. 68 Pferd ein 8 Rennen. Und damit 12 mehr als beim Saisonauftakt 2025 in Aarau.
10'000 Franken gibt es im Mai-Preis zu gewinnen, die Besetzung wäre einer Meisterschaft würdig. Durch den Wechsel von Bänder- zu Autostart hat sich das Rennen verändert. Vorher hatten die Mal-Pferde oft für Tempo gesorgt, die Cracks mussten sich anstrengen, um ihr Starthandicap wettzumachen. Überraschungen sind seither seltener geworden. Konkret hat die bisherigen Mai-Preis-Austragungen mit Autostart nur ein einziges Pferd gewonnen: ENATTOF. 2022 bei der Autostart-Premiere liess er RUSHMORE FACE und BLACK JACK FROM hinter sich, 2025 hatten GITANO und IMPACT DE COLMINE keinen Stich gegen den Ready Cash-Sohn. 2023 gewann ENATTOF den Mai-Preis trotz Starthandicap, 2024 musste er dem 25 Meter vor ihm gestarteten IMPACT DE COLMINE deutlich den Vortritt lassen.
Da am Sonntag wieder hinter dem Auto gestartet wird, ist die Chance auf eine Überraschung gering. Zumal ENATTOF die letzten 5 Rennen in Aarau alle gewonnen hat. Keiner kennt den Schachen so gut wie er - 21 Starts (!), 16 Siege und 4 Plätze (je zweimal 2./3. dazu einmal disqualifiziert, als Zweiter). Von den 364'881 Franken, die ENATTOF in seiner Karriere (113 Starts, je 52 Siege und Plätze) verdient hat, stammen 125'472 aus Aarau.

In Aarau ist Enattof (Henri Turrettini) seit dem 12. Mai 2024 in fünf Rennen ungeschlagen (Foto: Ueli Wild).
Mit GITANO (CNT-Gesamtsieger 2025) und FIRE CRACKER (Président-Sieger 2024, in diesem Jahr noch ungeschlagen) sind zwei andere Top-Traber mit am Start. Wobei der Schachen den Fähigkeiten der beiden nicht entgegenkommt. GITANO ist eigentlich auf Rechtsbahnen besser aufgehoben - es kommt nicht von ungefähr, dass er im letzten Jahr in Frauenfeld (u.a. vor ENATTOF) und Maienfeld gewonnen hat, zudem zweimal in Avenches. In Aarau war der Seydoux-Vertreter zweimal Zweiter. Hinter wem wohl? Richtig, ENATTOF.
FIRE CRACKER ist einer der besten Traber, die in den letzten Jahren in der Schweiz stationiert waren. 848'666 Franken Gewinnsumme, 43 (!) Gruppe-Rennen bestritten (22 Mal mit Geldgewinn nach Hause gekommen, 5 davon gewonnen (darunter sogar ein Sieg auf Gruppe-II-Ebene im Monté). In der Schweiz lief er bei 19 Starts 10 Mal als Sieger ins Ziel, lediglich einmal auf Gras (in der für Trotteurs Français reservierten Trophée Vert, überlegen - aber ohne ENATTOF. Und auf der grossen Grasbahn von Avenches, die mit Aarau eigentlich nur die Unterlage und die Rennrichtung gemeinsam hat). In Frauenfeld musste er vor zwei Jahren am Ostermontag die Überlegenheit von ENATTOF anerkennen. Im Direkt-Duell der beiden führt FIRE CRACKER mit 7:6, respektive sogar mit 6:4 unter Berücksichtigung nur der Rennen mit beiden im Ziel.

Fire Cracker (Xavier Bovay) bei seinem überlegenen Sieg Mitte März in Avenches (Foto: Ueli Wild).
Die Schweizer Elite braucht dringend frisches Blut. Mit zehn Jahren sind GRECO BELLO und GILMOUR zwar nicht mehr die allerjüngsten, aber jung genug, um über mehrere Saisons eine wichtige Rolle in den Rennen des Circuit National du Trot (CNT) zu spielen. GRECO BELLO kommt mit der Referenz von 22 Siegen bei 80 Starts, einer Gewinnsumme von 528'556 Franken und einem Rekord von 1:09,7 aus Frankreich. Die Karriere-Bilanz von GILMOUR liest sich ebenfalls interessant, wenn auch etwas weniger spektakulär: 112 Starts, 4 Siege, Gewinnsumme 334'099 Franken und ein Rekord von 1:10,6.
Während der neue Schützling von Marc-André Bovay 7 Gruppe-III-Rennen bestritt und dabei 4 Platzgelder (zweimal Dritter) nach Hause brachte, hat der neu bei Adrian Burger im Training stehende GILMOUR keine Gruppe-Erfahrung gesammelt. Beim einzigen Start in der Schweiz, im Président 2025 noch unter französischer Regie, schlug sich der neue Nyburg-Hoffnungsträger als 7. beachtlich und kam unmittelbar vor GITANO ins Ziel.
In Sachen Gras-Erfahrung hat GRECO BELLO gegenüber GILMOUR ebenfalls Vorteile: Der "Neo-Müller" gewann 2022 auf der Rechtsbahn von Guerlesquin auf der grünen Unterlage, während GILMOUR einen 6. Platz in Ecommoy (2021) als beste Gras-Leistung vorweisen kann.
Die grosse Frage wird sein, wie gut die beiden mit dem Schachen zurechtkommen. Eine Linksbahn mit so engen Bögen haben beide mit Sicherheit noch nicht in einem Rennen kennengelernt. Bei GILMOUR fällt auf, dass er 102 seiner 115 Starts links herum absolviert hat. GRECO BELLO lief 32 von 80 Rennen auf Rechtsbahnen, wobei 16 seiner 22 Siege links herum zustande kamen.

Gilmour (links) im Président 2025 in Avenches hinter Gala de Crennes (Foto: Ueli Wild).
Neben den Favoriten stehen zwei weitere Inländer im Fokus - aus Schweizer Zucht ist neben ENATTOF natürlich auch IATTIX, der nach letzten Eindrücken jedoch in dieser Gegnerschaft nur sehr bedingt für einen Spitzenplatz in Frage kommt. Und vor allem wird er in erster Linie Helferdienste für ENATTOF verrichten, wie dies die Ecurie Turrettini mal für mal "zelebriert". Die anderen beiden Inländer können bei passendem Rennverlauf überraschen. HIGH NOON (fünffacher Schachen-Sieger) tat dies auch gegen die Elite schon mehrfach. In den letzten beiden Meisterschaften wuchs er auf seinem Lieblingsparcours über sich hinaus, als Zweiter 2025 und Dritter 2024. INVERNO N CAVIAR tritt zum ersten Mal gegen die Besten an (gegen HIGH NOON liegt er im Direkt-Vergleich mit 2:4 hinten, gegenüber IATTIX mit 6:10). Mit seinem Speed kann er insbesondere dann überraschen, wenn die grossen Tenöre sich unterwegs etwas zu sehr bekriegen sollten.
Für EIGHT und ENTRE AMIS sieht es gegen diese Gegner und nach letzten Eindrücken schwierig, wenn nicht unlösbar aus.

High Noon (Loris Ferro) bei seinem letzten Schachen-Sieg Ende Mai 2025 (Foto: Nathalie Vorburger).
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