von Bettina Keller
Dölf Renk als schillernde oder charismatische Persönlichkeit zu bezeichnen, wäre verkehrt! Trotzdem hatte er viel Ausstrahlung. Er war ruhig, besonnen und im Sattel konzentriert auf sein Pferd. Er sprach kein Wort auf dem Pferd im Führring oder auf der Startvolte. Im Rennen war er voll fokussiert. Ja, Dölf Renk war eine besondere Persönlichkeit, ein sehr talentierter Horseman, ehrgeizig und zielbewusst, ein strenger Reitlehrer für seine Töchter und andere Personen. Dies nicht nur im Sport, auch in seinem Beruf als Baumeister mit eigenem Geschäft ging er erfolgreich seinen Weg.
In späteren Jahren, lange nach seiner Karriere, nahm es Dölf Renk etwas lockerer, um das so zu sagen! Er war bis zum Ende in Frankreich als Züchter und Besitzer engagiert und verlor nie die Leidenschaft für die Pferde und den Rennsport. So schlossen er und seine Frau sich 2011 einer Reise zum Dubai World Cup an und besuchten morgens die Rennbahn Meydan, die neu eröffnet worden war. Zum Erstaunen seiner Mitreisenden fing Dölf Renk plötzlich an, etwas Tapeta-Belag von der Bahn in einen Plastiksack zu füllen. Was machst du da? wurde er gefragt. Er wolle dieses Material «denen» in Dielsdorf zeigen, antwortete er.
Mit derselben Gruppe begab sich Dölf Renk zu einem Trainer von Rennkamelen ausserhalb Dubais. Man wurde eingeladen, auf einem Kamel zu reiten, natürlich geführt. Als Dölf Renk an der Reihe war, staunten alle: Sogar auf einem Kamel hatte er Stil!

Dölf Renk bewies auch auf einem Kamel Stil (Wüsten-Fotos von Käthy Keller).

Die Ruhe selbst auf dem ungewohnten Rücken.

Der Kamelritt zauberte Dölf Renk ein Lächeln auf die Lippen.
1987 kam es in Dielsdorf dazu, dass alle drei Renks im gleichen Rennen ritten! Das war am 23. August im Silberblauen Band von Zürich mit 13 Startern - von den drei Renks kam Bigi mit Ernst Itens Ordensstern (nur um Hals hinter La Diva) am weitesten. Nicole belegte auf King D'Ao unmittelbar vor Dölf (Lafayette) Rang sechs. Gewonnen hatte also keiner von ihnen. Aber das Erlebnis war es wert!

Das Renk-Trio vor dem Silberblauen Band von Zürich 1987.

Nicole Renk
«Nach der Matura hatte ich vor, ein halbes Jahr nach Frankreich zu gehen. Mein Vater hatte organisiert, dass ich in Pierre-Charles le Metayer Werbeagentur arbeiten konnte und im Training bei verschiedenen Trainern reiten. An meinem Abreisetag bemerkte mein Vater, dass er nur noch 400 Francs (100 CH-Franken) in bar zuhause hatte. Er sagte zu mir, er habe in Deauville ein Pferd mit dem Namen Mister Moat, das in der Provinz laufe. Ich solle dorthin gehen und das ganze Geld auf ihn setzen. Falls er gewinne, hätte ich dann genug, falls nicht, solle ich wieder heimkommen!» Und weiter: « Als ich dort war, dreht das Pferd am Start ab, der Jockey hing schon seitlich runter. Mir wurde fast übel. Doch dann sprang das Pferd ab und gewann sogar das Rennen! Ich bekam etwa dreimal so viel Geld zurück und konnte in Frankreich bleiben.»
Eine weitere Erinnerung von Nicole Renk: «Als Kinder sassen wir immer mit Mami auf der Tribüne. An jedem Sonntag ritt mein Vater einen oder mehrere Sieger. Wir schrien immer sehr laut: Hopp Papi hopp Papi! Das war für uns ein tolles Erlebnis und ich frage mich, ob meine Mutter sich mit der Zeit nicht geschämt hat wegen uns!»
Brigitte Renk:
«Als ich mein erstes Swiss Derby gewann, siegte ich gleichentags noch in zwei weiteren Rennen. Und in einem anderen Rennen war ich knapp geschlagen Zweite. Am Abend sagte mein Vater zu mir: Ist schon sehr schade, dass du jenes andere Rennen nicht auch gewonnen hast !- So war er eben!»
Karl Klein:
«Für mich war Dölf immer ein Vorbild. Grosse Probleme hatte ich nie mit ihm. Ich machte die Lizenz 1969 und habe bis 1979 Rennen bestritten. Dölf und ich ritten oft gegeneinander. Ich erinnere mich, dass er mich vielfach am Abend anrief, ob ich tagsdarauf in Dielsdorf mit ihm eine Arbeit reiten würde, mit seinen eigenen Pferden. Seine Frau kam auch mit und hat jeweils ein Pferd warmgeritten. Wir sassen dann um und machten den Galopp.»
Josef (Pepi) Stadelmann:
«Ich hatte mit Dölf nie ein Problem, auch nie in den Rennen. Er war ein ganz ruhiger Typ. Ich ritt für ihn Flach- und Hindernisrennen. Was ich erzählen kann,ist, dass er sehr ruhig war und in der Garderobe in seiner Ecke sass. Da nahm er jeweils sein mit Silberpapier eingepacktes Getränk hervor, damit niemand lesen konnte, was er trinkt. Wir mussten jeweils schmunzeln. Wir haben es dann einmal geöffnet! Ich glaube, es war ein Sirup oder Biostrath. Da haben ihn alle etwas belächelt. Für mich war Dölf ein guter Typ. Er war zwar ruhig in der Garderobe, aber im Rennen haben sich vor allem Kurt Schafflützel und er bekämpft. Und das wurde teilweise noch nach dem Rennen ausgetragen. Besonders hart ging es in Divonne zu und her, weil sich die Franzosen das nicht gefallen liessen und Dölf wie auch jeden anderen in die Schranken verwiesen.»
Maya Günthardt:
«Als etwa 15-jähriges Mädchen ging ich im Kolbenhof, dem Pferdestall der Familie Renk, reiten lernen und helfen. Dölf gab ab und zu selber Reitstunden. Er sprach nie viel, war eher ruhig. Einige Ex-Rennpferde befanden sich auch dort und liefen in den Reitstunden. Einmal sollte ich einen Sattel putzen. Dölf war in Aarau bei einem Rennen mitsamt Pferd gestürzt. Sein Sattel war mit etwa 3 Zentimeter Dreck verklebt. Mir wurde aufgetragen, ihn tipptopp zu reinigen. Voller Ehrfurcht machte ich mich an die Arbeit, Herrn Renks Sattel zu putzen. Zuerst mit Seife, dann mit Fett. Ich hatte keine Ahnung, wieviel Fett man braucht und schmierte etwa ein halbes Kilo davon drauf. Dölf ging dann mal während der Woche auf diesem Sattel reiten, kam zurück und rief von Weitem: Was für ein dummer Idiot hat meinen Sattel geputzt!? Das ganze Fett klebt an meinen Hosen!» Und weiter: «Auch war es mir eine grosse Ehre, Dölfs Eidgenosse Zeiger jeweils am Sechseläuten-Montag vom Kolbenhof aus zur Schmiede Wiedikon zu reiten. Dort übernahm ihn Dölf, um mit der Zunft am Umzug teilzunehmen. Mein Mann (Ruedi Günthardt) war 30 Jahre lang Reiterchef der Zunft zu Wiedikon und der Reitgesellschaft Wiedikon. Er ritt mit der Standarte voraus. Alle seine Sportpferde wurden jeweils ebenfalls am Umzug mitgeritten.»
Michi Reichstein
«Ich erinnere mich an einen Morgen vor etwa 12 Jahren oder mehr, als wir noch bei Bigi in Avilly im Training ritten. Nach einem Galopp d’ Chasse befanden wir uns alle auf einer Volte im Schritt. Bigi sagt zu Dölf: « Papi, jetzt kannst du noch eine Runde mit ihm cantern gehen.» Da rebellierte er und antwortete etwas ruppig: « Was?! Alleine? Er ging ja schon im Galopp d’ Chasse keinen Meter!» Worauf Bigi konterte, er solle hier bleiben und später das Pferd selber ritt.. ! » Und weiter: « Einmal musste Dölf mit einem ruhigen, erfahrenen Pferd in der Startmaschine warten, damit Bigi das Startprozedere mit den jungen Pferden üben konnte. Das ältere Pferd wurde unruhig und fing an zu scharren. Da rief Dölf: «Mach’ mal endlich das Loch auf!» Das war halt manchmal seine Art, aber Bigi und er verstanden sich prächtig!»

Michael Reichstein in Dubai mit Dölf und Elsa Renk.
Andi Wyss
«Als ich 1982 meine ersten Rennen bestritt, durfte ich mich zum ersten Mal in eine Jockey-Garderobe begeben, um mich umzuziehen. Damals war diese noch unter der Tribüne in Frauenfeld. Dort war auch mein Idol Dölf Renk anwesend. Er, Kurt Schafflüzel und wie sie damals hiessen haben mich begrüsst. Damals gab es noch kein Du. Ich habe sie mit „Herr Renk” und „Herr Schafflüzel” angesprochen, das war damals üblich.
1996 wurde Marlis Gloor Weltmeisterin, Bigi Renk und ich konnten das Schweizer Rennreiter-Championat gewinnen. Wir drei haben damals ein grosses Fest in der Turnhalle in Birr organisiert. An der Bar begrüsste ich Dölf Renk, der mir sogleich sagte: „Ich bin der Dölf.” Danach haben wir uns noch oft in Frankreich getroffen und über dies und das diskutiert.»

Dölf Renk am Jockey Club-Renntag 2013 in Dielsdorf mit dem ehemaligen Amateur-Champion Andi Wyss, der ihn als sein grosses Idol bezeichnet. (Foto: Scarlett Schär).
UPDATE:
Michael Huber
Während meiner Jockey Ausbildung in Chantilly durfte ich das Wochenende über jeweils bei Bigi verbringen. Bigi war mit Pferden am Meeting in Cagnes sur Mer und Dölf war am Stall in Avilly. Wir haben am Sonntag zusammen ein Lot geritten. Zu dieser Zeit waren Magadino und Milongo die Aushängeschild-Pferde im Stall, welche ich beide auch reiten durfte. Dölf nahm Magadino selbst, ich staunte, denn er konnte schon ziemlich in die Hand gehen. Nach einer Runde Galop de Chasse auf der Rundbahn war Dölf dann glaub schon froh haben wir wieder angehalten. Ich bewunderte ihn dafür in seinem Alter noch solche Pferde reiten zu können. Am Nachmittag sind wir dann zwei Stunden lang von Chantilly über Lamorlaye bis nach Coye la Foret vor jedem Stall mit dem Auto durchgefahren. Da wir Lehrlinge jeweils mit dem Bus zu den Ställen verteilt wurden, wusste ich genau welche Trainer wo ihren Stall hatten. Als ich das nächste Mal zu Hause anrief, glaubte mir mein Vater das fast nicht. Er sagte mir, dass dies eine Ehre für mich sein soll, solche Dinge mit Dölf erleben zu dürfen und ich dies gefällig schätzen soll.
Am kommenden Freitag findet in Zürich die Trauerfeier für Dölf Renk statt. Auf der Traueranzeige hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen: Beginn ist um 14.30 Uhr, nicht 14.00 Uhr.

Dölf Renk mit seiner Ehefrau Elsa.
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